Berlin : Der Senatsbaudirektor genießt eine späte Würdigung

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Früher beschimpft, heute gepriesen: So geht es auch Hans Stimmann , dem scheidenden Senatsbaudirektor. Nur Tage vor seinem Ausscheiden aus dem Amt verlieh ihm die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung am Donnerstagabend in Berlin ihren Sonderpreis im Rahmen der Verleihung des Deutschen Städtebaupreises. Doch ihm nicht allein: Auch Städtebauprofessor Thomas Sieverts wurde gleichermaßen geehrt. Und das ist eine explosive Kombination, die beim anschließenden Podiumsgespräch zwischen beiden Preisträgern denn auch zünden sollte. Stimmann nämlich ist der Verfechter des Modells der „europäischen Stadt“, niedergelegt im „Planwerk Innenstadt“ von 1999, dem die Auszeichnung galt. Der 72-jährige Sieverts hingegen ist der Theoretiker der „Zwischenstadt“, also jener unentwirrbaren Gemengelage aus Stadtrand, zersiedelter Landschaft und verstreutem Gewerbe – wo indessen mittlerweile ebenso viele Menschen leben wie in der traditionellen Stadt. Sein sieben Jahre jüngerer Fachkollege Stimmann betonte die „kulturelle Prägekraft“ des Stadtzentrums, er, der selbst am Rand von Lübeck aufgewachsen ist, doch aus dem mittelalterlich geprägten Stadtorganismus seine Anregungen erfahren habe. „Wo steht denn die Zwischenstadt, die möcht’ ich mal anschauen!“, provozierte Stimmann, streitbar wie immer, während Sieverts für die Peripherie „die gleiche Zuwendung wie für die traditionelle Stadt“ einforderte.

Im Grunde vertrug man sich bestens. Stimmann und Sieverts haben immerhin gemeinsam den Wettbewerb für die Bebauung des Daimler-Areals am Potsdamer Platz im Sinne des überkommenen Stadtgrundrisses durchgesetzt, in der Jury vom November 1991. Vergangene Schlachten, späte Anerkennung – Stimmann ist im Zustand des elder statesman angekommen. BS

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