Berlin : Der Senioren-Freund - AWO-Gründungsvorsitzender Gerhard Thieme

Als die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Anfang 1990 im Ostteil der Stadt wieder ihre Arbeit aufnehmen durfte, ergriff Gerhard Thieme seine Chance. "Ich wollte mich für die Seniorenarbeit engagieren", erzählt der 64-Jährige. Schnell begann Thieme die AWO-Geschäftsstelle im Weißenseer Ortsteil Heinersdorf aufzubauen und dort vor allem für ältere Menschen im Bezirk eine Anlaufstelle zu bieten. "Gerade die Senioren waren nach der Wende oft unzufrieden und fanden sich in der neuen Zeit einfach nicht zurecht", erinnert er sich.

Auch für Thieme, der mit dem Zusammenbruch der DDR seinen Beruf als Zierfischzüchter aufgegeben hatte, war diese Zeit nicht einfach. Für den Aufbau der AWO-Stelle musste er lernen, Antragsformulare korrekt auszufüllen und Geld für seine Geschäftsstelle heranzuschaffen.

Zu den Senioren hatte der Vater zweier Töchter dagegen sofort Zugang, denn die Wohlfahrtsarbeit gehörte für ihn immer dazu. Bis 1961 war der gebürtige Berliner Kreisvorsitzender bei den "Falken", und ist auch heute noch ehrenhalber Vorsitzender dieser sozialistischen Jugendvereinigung. Seit 1953 ist Thieme Mitglied der SPD, sitzt als Bürgerdeputierter in der Bezirksverordnetenversammlung Weißensee, arbeitet im AWO-Jugendhilfeausschuss, organisiert die AWO-Jugendfahrten und engagiert sich in zahlreichen weiteren Ehrenämtern.

Dennoch hätte seiner Meinung nach jeder seiner Mitarbeiter den Empfang durch den Bundespräsidenten ebenso verdient, wie er. So nimmt er die Einladung ins Schloss Bellevue gerne an - stellvertretend für alle, die mit ihm bei der AWO-Weißensee tätig sind. "Vor acht Jahren wurde schon einmal jemand von uns zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten eingeladen", erzählt er. Damals hat er den Kollegen zum Amtssitz des Bundespräsidenten in Tiergarten gefahren. Dass er einmal selber in der langen Reihe der "verdienten Bürger" stehen würde, hätte er nie für möglich gehalten.

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