Berlin : Der Sinatra von Berlin

Von „New York, New York“ bis „Fly Me To The Moon“: Christoph Schobesberger hat sie alle im Repertoire – die Hits von Ol’ Blue Eyes. Allerdings imitiert der 50-Jährige den amerikanischen Entertainer nicht, sondern interpretiert ihn

Judith Hyams

Für Christoph Schobesberger steht fest: „Er war der erste Popstar der Welt, der allererste, der Jugendliche zu hysterischen Begeisterungsstürmen hinriss.“ Um keinen geringeren als Frank Sinatra geht es, und keinen geringen als den Entertainer hat sich Schobesberger zum Vorbild genommen. Er interpretiert ihn, ohne zu imitieren. Dazu ist der Künstler mit der tiefen, rauchigen Stimme zu bescheiden. „Frank Sinatra war unglaublich vielfältig, und jeder hat ein anderes Bild von ihm, die einen kennen den jungen mit der Haartolle, die anderen lieben den späten Sinatra, wie könnte ich ihn umfassend verkörpern?“

Der Schauspieler und Sänger, der sein Handwerk am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und am Salzburger Mozarteum lernte und vor allem aus der TV-Serie „Für alle Fälle Stefanie“ bekannt ist, interpretiert seit Jahren die Songs Sinatras. Anfangs sang er in einer Musicalinszenierung, seit vorigem Jahr tritt er in einer schlichteren Konzertfassung auf. Begleitet von einer Bigband präsentiert er mit verblüffend ähnlichen Stimme die unvergessenen Hits. Zwischendurch erzählt er Anekdoten. Das Ganze ähnelt Sinatras legendären Nachtklub-Auftritten, wie sein Vorbild improvisiert Schobesberger im Dialog mit dem Publikum. Dieses hat bald das Gefühl, einen alten Bekannten wiedergefunden zu haben. Genau darauf zielen Christoph Schobensberger und der musikalischer Leiter der Bigband Michael Götz. Sie wollen Stimmung erzielen und die Leute berühren. Damit gehen sie in einer Linie mit dem großen Entertainer, denn: „Viele Leute können gut singen, aber Sinatra hat jede Zeile mit Emotion gefüllt.“ Und nur er, der ein so bewegtes Leben geführt hat, konnte mit der nötigen Überzeugung „I did it my way“ singen. Genau diesen Song, aber auch Evergreens wie „New York, New York“ oder „My Romance“ wollen die Leute immer wieder hören, deshalb haben sie auch 25 der bekanntesten Songs im Repertoire.

„Wir sind Unterhalter“, sagt Michael Götz stolz, „überall müssen die Leute grübeln, wir geben ihnen ein Refugium, wo sie seelisch bedient werden.“ Seit Jahren schon ist der Allround-Musiker mit Christoph Schobesberger befreundet. Wie ein altes Ehepaar fallen sich die beiden 50-Jährigen ins Wort, wenn sie aufzählen, was sie miteinander verbindet: „Wir haben Theater und Musik gemacht, ähnliche Erfahrungen gesammelt, Unmengen Nudeln zusammen gegessen und verfolgen die gleichen Ziele.“ 1998 hatte Christoph Schobesberger die Idee für eine Musikshow, genau drei Monate vor Sinatras Tod. Um dem Star, der von 1955 bis fast zu seinem Tod in den amerikanischen Hitparaden vertreten war, gerecht zu werden, las Christoph Schobesberger sich durch einen Berg von Biographien. Er tauchte so regelrecht in Sinatras Leben ein, während Michael Götz sich mit den musikalischen Arrangements beschäftigte. Eins war dabei immer klar: „Wir wollen kein Karaoke machen.“ So entstand eine Show, in der Frank Sinatra nicht eins zu eins kopiert wird, die aber durchaus als Hommage an den „Entertainer des Jahrhunderts“ verstanden werden kann. Die Künstler der Show, die sich qualitativ dem Publikum anpassen, müssen auch quantitativ flexibel bleiben: Je nach Saal spielen sieben oder 18 Musiker in der Bigband. Ein bisschen mehr Geld und somit mehr Spielraum hätten Christoph Schobesberger und Michael Götz, die ihre Show selbst managen, schon gern. Mit ein paar mehr Bläsern, Streichern und Lichteffekten würden sie ihre Show gern noch perfektionieren. Das Wichtigste aber besitzen sie schon jetzt: die Stimme, den Swing, und die Begeisterung für Frank Sinatra.

Die nächsten Auftritte sind am 7. Mai um 20 Uhr in der Philharmonie (große Besetzung) und am 9. Mai um 19 Uhr in der Urania (kleine Besetzung).

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