Berlin : Der Sonntagsrebell ist pleite

Tabakhändler Wolff musste Insolvenz für seine Läden beantragen – er hofft aber auf eine Bürgschaft

NAME

Als „Sonntagsrebell“ vom Potsdamer Platz wurde der Tabakhändler Eberhard Wolff bekannt – doch am Freitag musste er seine 13 Filialen in Berlin schließen und Insolvenz beantragen. Die 1990 gegründete Firma „Wolff Tabac & Cigars“ mit 56 Beschäftigten ist laut Wolff mit 2,8 Millionen Euro verschuldet. Trotzdem gibt es Chancen für eine Rettung: Die Senatswirtschaftsverwaltung sei „grundsätzlich bereit“, eine Bürgschaft zu gewähren, sagte Staatssekretär Volkmar Strauch auf Anfrage.

„Ich werde alles daran setzen, die Geschäfte am Dienstag wieder zu öffnen“, kündigte Wolff an. Für Montag erwarte er einen Gutachter, der das Sanierungskonzept der Firma prüfen solle. Laut Staatssekretär Strauch muss auch eine Wirtschaftsprüfungsfirma oder ein Ausschuss bei der Bürgschaftsbank untersuchen, ob die Voraussetzungen für eine Bürgschaft gegeben sind.

Wolff führt seine Probleme besonders auf die diesjährige Erhöhung der Tabaksteuer zurück. Weil die Preise noch nicht erhöht worden seien, habe die stärkere Steuerbelastung seine Gewinnmargen verringert. Sechs der früher 19 Filialen hat der 42-jährige Unternehmer bereits aufgegeben und sich auf die besten Standorte in Bahnhöfen und Einkaufszentren konzentriert. Zuletzt habe ein Lieferant ausstehende Zahlungen eingeklagt und so die Sanierungspläne durchkreuzt, sagt er.

Im Frühjahr 1999 hatte Wolff seine Filiale in den Potsdamer-Platz-Arkaden an mehreren Sonntagen eigenmächtig geöffnet – ein bis dahin einzigartiger Verstoß gegen das Ladenschlussgesetz, der später vom Kaufhof am Alexanderplatz nachgeahmt wurde. Der Tabakhändler sah sich als Vorkämpfer gegen den Ladenschluss und nahm dafür ein Bußgeld in Höhe von mehreren tausend Mark hin. Wenig später endete der Streit mit dem Landesamt für Arbeitsschutz, weil der Senat große Teile der Innenstadt inklusive des Potsdamer Platzes zum „Ausflugs- und Erholungsgebiet“ erklärte. Seitdem dürfen dort Waren des touristischen Bedarfs, darunter Tabak, sonntags legal verkauft werden. CD

0 Kommentare

Neuester Kommentar