• Der spanische Maler Gustavo gestaltete die Fassade eines 21-stöckigen Wohnhauses in Lichtenberg

Berlin : Der spanische Maler Gustavo gestaltete die Fassade eines 21-stöckigen Wohnhauses in Lichtenberg

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Der Riese hat ein feuerrotes Auge. Doch was heißt schon Riese? Das dunkelblaue Gebilde ähnelt eher dem Geist, der soeben aus Aladins Wunderlampe steigt. Ob nun Riese oder Flaschengeist, er schaut von der Fassade eines sanierten Plattenbaus an der Storkower Straße Ecke Franz-Jacob-Straße in Lichtenberg weit über Berlin hin: Über die S-Bahn-Strecke auf das 50 Hektar große Gelände des Alten Schlachthofs (auf dem Gebiet des Bezirks Prenzlauer Berg) bis zu den fernen Häuserreihen der Eldenaer Straße (in Friedrichshain).

Das blaue Ungetüm an der Fassade ist ein Geschöpf aus dem Bilderschatz des spanischen Malers Gustavo, der bereits seit Jahrzehnten in Berlin bekannt ist und lange in Tegel gelebt und gearbeitet hat. Gestern war der Künstler zu Gast in Lichtenberg. Anlass war die feierliche Enthüllung der von ihm gestalteten Fassade. Klaus-Dieter Heinken, Geschäftsführer der Prima-Wohnbauten-Privatisierungs-Management GmbH, erinnerte gestern vor 250 Gästen an die Vorgeschichte: Prima hatte das 21-stöckige Gebäude mit 296 Wohnungen gekauft. "Seit 1998 überlegten wir, wie man die Fassade originell gestalten könnte und kamen auf Gustavo." Der Maler sei begeistert gewesen und habe zugesagt.

Als Hindernis erwies sich eine Richtlinie des bezirklichen Gestaltungsbeirats. Sie enthält die Klausel, dass renovierte Fassaden an Plattenbauten nicht mehr als drei Farben haben dürfen. Doch nachdem Bezirksbürgermeister Wolfram Friedersdorff (PDS) erst einmal überzeugt worden war, "dass 14 Farben von Gustavo sehr schön sein können", ließen sich auch die Mitglieder des Beirats zu einer Ausnahme überreden. "Ohne Christiane Herzog als Schirmherrin hätten wir es nicht geschafft", vermutete Heinken gestern. Die Frau des Altbundespräsidenten konnte den Dank indes wegen einer plötzlichen Erkrankung nicht persönlich entgegennehmen. Immerhin hatte mit Michel Friedmann, Spaniens Botschafter José-Pedro Sebastian de Erice, "Partner für Berlin"-Chef Volker Hassemer und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder ungewohnt viel Prominenz den Weg in den Bezirk Lichtenberg gefunden.

Klaus-Dieter Heinken bezifferte die Kosten für die Moderniserung des Hauses sowie der Gestaltung der Fassade mit 23 Millionen Mark. "Die Kunst am Haus war teuer, aber wir legen nichts auf die Miete um", sagte der Prima-Chef. Um so besser für die Bewohner, die sich zufrieden äußerten. Eine ältere Mieterin, die jetzt rote und gelbe Flächen um die Fenster herum hat, sprach von "einem recht bunten Haus, das aber gut gepflegt werden muss, wenn es schön bleiben soll." Eine Frau aus dem Nachbarhaus bedauerte dagegen, dass sie beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster zwar bunte Fassadenteile, aber keine der phantastischen Figuren von Gustavo sehen könne. Übrigens: Die Eigentümerin, die für eine Wohnung mit 60 Quadratmetern 850 Mark Warmmiete erhebt, kümmert sich nicht nur um Gebäude. Im Foyer wurde ein Tresen für eine Concierge eingebaut, der künftig von 7 bis 23 Uhr besetzt sein soll.

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