• Der SPD-Fraktion stehen große Veränderungen bevor. Aber auch in der Opposition wird Klaus Böger Fraktionschef bleiben wollen

Berlin : Der SPD-Fraktion stehen große Veränderungen bevor. Aber auch in der Opposition wird Klaus Böger Fraktionschef bleiben wollen

Brigitte Grunert

Vom Fenster seines Anwaltsbüros sieht der stellvertretende SPD-Chef Klaus Uwe Benneter das Objekt seiner Sehnsucht, das Abgeordnetenhaus. Mit etwas Wahlglück wird der 52-Jährige als "Frischling" ins Parlament einziehen. Dass er "kein Hinterbänkler" sein will, betont er mit einem Scherz: "Manche denken, ich grabe schon einen Tunnel." Benneter wird nachgesagt, er sei scharf auf den Fraktionsvorsitz, sollte Klaus Böger Senator werden. Seine Chance ist eher gering. Böger würde den Vorsitz lieber an seinen bisherigen Stellvertreter Hermann Borghorst vererben. Doch die Rollenverteilung hängt ganz vom Wahlergebnis ab.

Die neue SPD-Fraktion wird anders aussehen und sicher nicht einfacher als die alte. 18 der jetzt 55 Abgeordneten kandidieren nicht wieder, einige weitere werden vermutlich die Rückkehr nicht schaffen. Die Fraktion schrumpft schon wegen der Verkleinerung des Parlaments - wie weit, bestimmen die Wähler. Kluge Köpfe kommen. Spitzenkandidat Walter Momper, Klaus Böger und außer Ingrid Stahmer alle Senatoren kandidieren, und zwar auf Spitzenplätzen: Annette Fugmann-Heesing und Parteichef Peter Strieder als Neulinge, Gabriele Schöttler (Ost) ist schon seit 1991 dabei, Ehrhart Körting und Momper hatten früher einmal Mandate, der Ex-Regierende und ehemalige Fraktionschef sogar 20 Jahre bis 1995. Unter den Neuen wird auch Landesgeschäftsführer Ralf Wieland sein.

Routinierte "alte Hasen" wie Klaus Wowereit, dem die "Finanzhoheit in der Fraktion" nachgesagt wird, Hermann Borghorst, Irana Rusta (Kultur), Hans-Georg Lorenz (Inneres) und Peter Schuster (Schule) sind garantiert wieder dabei. Andere wurden auf wackelige oder aussichtslose Plätze verbannt wie der ausgewiesene Wissenschaftspolitiker Bert Flemming in Lichtenberg. Aber selbst erste Listenplätze müssen nicht sicher sein. Die Fraktion kann diesmal westlastiger werden, wenn die PDS im Osten abgrast.

Kluge Köpfe gehen. Marianne Brinckmeier, seit 1989 Parlamentsvizepräsidentin, tritt nach 20 Jahren mit 59 freiwillig ab, Ex-Senator Wolfgang Nagel nach 18 Jahren. Engagierte Ost-Berliner, die seit 1991 dabei sind, scheiden aus - wie Utta Stötzer und Kurt Blankenhagel, der 1990 Stadtrat im letzten Magistrat war. Kulturexperte Niko Sander wurde in Zehlendorf nicht wieder nominiert; Benneter machte das Rennen.

Deutlich verjüngen wird sich die Fraktion kaum; die Jungen stehen meist hinten an. Eine sichere Bank ist nur Christian Gaebler (34, Wilmersdorf), der schon jetzt dem Fraktionsvorstand angehört. Die jüngsten Kandidaten sind Oliver Vogelsmeier (29, Mitte) und die türkischstämmige Wirtschaftsmathematikerin Dilek Kolat (32, Schöneberg), die als Nachwuchstalent gilt. Beide könnten es schaffen, haben aber zumindest gute Nachrücker-Chancen, falls Frau Schöttler (Mitte) und Frau Fugmann-Heesing (Schöneberg) als Senatoren ihre Mandate niederlegen. Aber noch kämpft die SPD um den "Regierungsauftrag" der Wähler. Wenn sie sich in der Opposition wiederfindet, wird Böger den Fraktionsvorsitz behalten wollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben