Berlin : Der Spielplatz-Pate

Er sammelt Müll auf und meldet Mängel an Wippen oder Rutschen. Spandau baut ein Helferteam auf

Rainer W. During

Lothar G. Schwartz ist einer, der sich kümmert. Erst um das Grün in seiner Nachbarschaft und jetzt auch um den Kinderspielplatz Lindenufer gleich nebenan. Damit ist der Fachhochschuldozent einer der ersten offiziellen Spandauer Spielplatzpaten. Der Bezirk will für möglichst viele seiner insgesamt fast 100 Spielplätze ehrenamtliche Aufseher finden, man strebe eine Vorreiterrolle in Berlin an, sagte Baustadtrat Carsten Röding (CDU). Die grundsätzliche Pflege werde aber selbstverständlich weiter vom Bezirk betrieben. 250 000 Euro sind dafür in einem Sonderprogramm eingeplant.

Die Idee zur Spielplatzpatenschaft stammt aus Köln. In der Rhein-Stadt wird bereits gut die Hälfte der städtischen Spielplätze von ehrenamtlichen Paten betreut. Das sind meist Eltern oder Großeltern, aber auch Schulklassen, Vereine und Initiativen. Sie sollen Mängel melden, Anregungen für Spiele geben, kleinere Probleme vor Ort mit den anderen Nutzern lösen und eventuell auch Feste organisieren. Vierteljährliche Treffs beim Amt für Kinderinteressen, das es in der Domstadt gibt, sowie eine eigene Spielplatzpatenzeitung sorgen hier für den Informationsaustausch. Soweit ist man in Spandau zwar noch nicht, aber man ist auf gutem Weg: Neben Lothar G. Schwartz haben auch die Sportvereine Alemannia Haselhorst Schwarz- Weiß-Spandau und der Wirtschaftshof, eine Vereinigung Spandauer Geschäftsleute, Patenschaften übernommen. Sie kümmern sich um den Bolzplatz der Bernd-Ryke-Schule, den Spielplatz im Spektefeld und den in der Jüdenstraße. Und auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind mit dabei.

Schwartz musste man nicht lange bitten. Seit der 55-Jährige vor fünf Jahren mit seiner Frau an die Havelspitze in der Wasserstadt zog, engagiert er sich ehrenamtlich. Als ihm die in heißen Sommern welkenden Bäume leid taten, wurde er beim Grünflächenamt vorstellig und ließ sich mit Standrohr und Schlauch ausstatten. Seitdem wässert er wöchentlich die rund 140 Bäume der Grünanlage an der Boca-Raton-Straße. Seit kurzem ist er auch Besitzer eines Rasensprengers, den er auch schon einmal anwirft, um den Kindern aus der Nachbarschaft eine Freude zu bereiten. Um den Spielplatz Lindenhof hat er sich auch früher schon mit gekümmert. Jetzt guckt er ein bisschen genauer auf die Spielgeräte, Schaukeln und Rutschen, sammelt Papier und Müll auf. Künftigen Paten rät er: „Sie brauchen Durchhaltevermögen und dürfen nicht enttäuscht sein, wenn jemand seinen Müll trotzdem stehen lässt.“ Schwartz hält die spielenden Kinder an, auch selbst für Sauberkeit und Ordnung auf dem Platz zu sorgen. Und er konnte schon manchen Hundehalter bewegen, den Spaziergang am Spielplatz vorbeizu- lenken.

Informationen über die Spielplatzpatenschaften unter Tel: 3303 3026 oder 3303 3053 beim Grünflächenamt Spandau

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