Berlin : Der Spreekanal

Im April geht der Musiksender MTV in Berlin auf Sendung. Am Hauptsitz wird gebaut, die Mitarbeiter ziehen um

Björn Seeling

Markus Kavka hat den meisten seiner Kollegen vom Musiksender MTV eines voraus: eine Wohnung in Berlin. Während die Mannschaft aus München sich jetzt hier um Unterkünfte bemüht, hat sich der 36-jährige Moderator bereits im März 2002 eine Dachgeschosswohnung in Friedrichshain genommen. Gearbeitet hat er allerdings weiterhin in München, so dass er nur zum Wochenend-Berliner wurde. Doch damit ist bald Schluss. Im April 2004, so steht jetzt fest, will MTV das Programm für den deutschsprachigen Raum – also auch für Österreich und die Schweiz – von Berlin aus starten.

14 Monate liegen dann zwischen dem Beschluss, die Kräfte aus Kostengründen hier zu bündeln, und der ersten Sendung. Zeit genug für das Team, sich über den Umzug von der Isar an die Spree Gedanken zu machen. Eine Entscheidung, die leicht zu fallen scheint: MTV-Pressesprecherin Verena Adami berichtet von einer „großen Aufgeschlossenheit“ der Belegschaft, aus der heimlichen in die offizielle Hauptstadt wechseln. „Unsere Mitarbeiter sind eh schon viel in Berlin unterwegs“, sagt sie, die selbst bald die Umzugskartons packt. Die Aussicht auf eine lebendige Musikszene macht es den MTV-Leuten nicht allzu schwer, nach Berlin zu wechseln. Obendrein gibt es noch einen biologischen Faktor. „Das Durchschnittsalter ist bei uns 25“, sagt Adami. Da sei man noch mobil. Außer den üblichen Hilfen, die ein Arbeitgeber anbietet, wenn er seinen Firmensitz verlagert, gibt es nach den Worten der MTV-Sprecherin Verena Adami keine weitere Unterstützung.

Immerhin: Im Frühherbst machte die Truppe einen Betriebsausflug nach Berlin, wo sie auch das künftige Hauptquartier besichtigte. Das befindet sich, wie berichtet, in einem Lagerhaus auf dem Gelände des Osthafens in Friedrichshain. Vorn die Autos auf der Stralauer Allee, hinten die Schiffe auf der Spree. Derzeit wird das etwa 150 Meter lange Gebäude mit einem Millionenaufwand von der Eigentümerin, der städtischen Hafengesellschaft Behala, umgebaut. Details werden am Freitag verraten. Noch ist das Haus vom Dach bis zum Erdgeschoss in Planen eingehüllt. Noch kann man sich nur schwer vorstellen, dass hier eines Tages Weltstars zu Interviews vorfahren. Bis Februar sollen die Bauarbeiten, die auch von der EU gefördert werden, beendet sein. Dann ziehen die 115 MTV-Leute ein, die auch aus London kommen. Sie können sich auf eine musikalische Nachbarschaft freuen: Ein paar Schritte vom MTV-Gebäude entfernt sitzt ebenfalls in einem Lagerhaus seit Mitte 2002 der Plattenkonzern Universal. Wer beim Musikkanal ein Büro mit Wasserblick ergattert, der sieht links auf das riesige Gebäude der Arena und rechts auf den Club Watergate. Hier steht bald auch ein MTV-Mann am Plattenteller: Markus Kavka. Und wieder hat er den Kollegen was voraus.

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