• Der Stadtrand ist alles andere als eine Kulturwüste, sagt Chansonsängerin Barbara Kellerbauer

Berlin : Der Stadtrand ist alles andere als eine Kulturwüste, sagt Chansonsängerin Barbara Kellerbauer

Steffi Bey

Die Chansonsängerin und Musikpädagogin Barbara Kellerbauer hat es vor 18 Jahren ganz zufällig an den Stadtrand verschlagen. Bekannte erzählten ihr von einem leer stehenden Haus im heutigen Hellersdorfer Ortsteil Kaulsdorf. "Wir fuhren hin und unterschieben bald darauf den Kaufvertrag", erinnert sie sich an die "Aktion" mit ihrem Mann und den beiden Kindern. Seitdem lebt die gebürtige Freibergerin, die 1972 nach Berlin kam, im Siedlungsgebiet.

Von Anfang an hat sich die Familie wohl gefühlt. Und die vielen Plattenbauten direkt gegenüber störten eigentlich nie. "Mir gefallen die Menschen, sie sind aufgeschlossen und nicht so verbohrt wie anderswo", begründet die zierliche Frau ihre Sympathie. Deshalb möchte sie dort auch nie wieder weg. Sie schätzt die günstige Verkehrsanbindung, die immer besser werdenden Einkaufsmöglichkeiten und die grüne Umgebung.

Und wenn sie nicht gerade Texte lernt, eine neue CD in Arbeit ist, oder sie sich auf das Tourneeprogramm "Vier im Konzert", bei dem sie mit Uschi Brüning, Annekathrin Bürger und Kammersängerin Christine Näther auf der Bühne steht, vorbereitet, radelt sie an die Kaulsdorfer Seen. "Hier kann ich wunderbar entspannen", sagt sie über ihren Lieblingsplatz: Dasitzen, träumen, die Leute beobachten - oder auch manchmal gedanklich Fördergelder verteilen. Als Vorsitzende des Hellersdorfer Kulturbeirates hat sie in dieser Frage ein Wörtchen mitzureden. "Das ist manchmal ganz schön deprimierend", sagt sie. Immer weniger Geld muss gerecht vergeben werden. "Es kann nicht sein, dass die Kultur immer das fünfte Rad am Wagen ist und wir um jeden Pfennig betteln müssen", ärgert sie sich. Aus ihrer Sicht braucht Berlin dringend ein Landeskulturgesetz. Jeder Bezirk müsste verpflichtet werden, einen gewissen Teil seines Haushaltes für die Kulturarbeit bereitzustellen.

Barbara Kellerbauer hat sich schon früher eingemischt, arbeitete zu DDR-Zeiten im Kulturbund mit und saß auch in der Stadbezirksversammlung. "Ich kann mich nicht nur um meine eigenen Dinge kümmern. Deshalb erklärte sie sich auch Mitte der 90er Jahre bereit, die ehrenamtliche Funktion der Kulturbeiratsvorsitzenden zu übernehmen. Was erreicht wurde? "Es ist uns gelungen, den von PDS-Bürgermeister Uwe Klett geforderten eigenständigen Kulturbetrieb abzuwenden", freut sich die Hellersdorferin. Jede Menge Briefe wurden geschrieben. Auch wurde direkt beim Rathaus-Chef vorgesprochen. Zudem kann sich die Hellersdorfer Kulturlandschaft inzwischen sehen lassen. "Leider wissen aber viele Anwohner nicht, was sich kulturell direkt vor ihrer Haustür abspielt und fahren nach wie vor lieber in die City." "Über einen großen Saal verfügt der Bezirk leider nicht", bemängelt die engagierte Künstlerin. Der sollte ursprünglich im neuen Stadtteilzentrum "Helle Mitte" untergebracht werden, fiel aber den Sparmaßnahmen zum Opfer.

Barbara Kellerbauer hofft, dass ihr Bezirk von der bevorstehenden Fusion mit Marzahn auf kulturellem Gebiet profitiert. "Unsere Nachbarn sind mit solchen Einrichtungen besser bestückt, können große Freizeitzentren und Foren vorweisen." Was die Fusion ansonsten bringt, kann und will sie nicht vorhersagen. Natürlich interessiert sie sich für die Lokalpolitik, doch an den monatlich stattfindenden Bezirksverordnetenversammlungen nimmt sie nicht teil - besucht aber als Bürgerdeputierte regelmäßig den Bildungs- und Kulturausschuss. Wenn sie dann erfährt, in welchem erbärmlichen Zustand beispielsweise die Schulen sind, könnte sie vor Wut platzen. "Wir sind nun mal der kinderreichste Bezirk, da müsste doch vor allem in diesen Kinder- und Jugendbereich investiert werden."

Eines Tages kann sie vielleicht ihren Traum von einem Musikstudio im Bezirk verwirklichen. Zurzeit feilt sie gerade am Programm für die nächsten Veranstaltungen des Humanistischen Verbandes, für den sie die künstlerische Leitung der "Jugendfeier" übernommen hat.

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