Berlin : Der Stoff, aus dem das Leben ist

Prominente und ihre MoMA-Lieblingswerke: Modedesigner Burkhard Wildhagen mag Gustav Klimts „Die Hoffnung“

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Burkhard Wildhagen, 29, ist Designer. Der gebürtige Oberhausener lebt und arbeitet in Berlin.

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Welches Bild ich am schönsten finde, hängt immer auch von meinem Gemütszustand ab. Heute gefällt mir „Die Hoffnung“ von Gustav Klimt am besten. Zu Hause habe ich auch Poster von Klimt, aber diese Arbeit ist nicht dabei. Der Titel passt gerade völlig in meinen Gemütszustand. Das Bild sagt, dass man sich nicht kleinkriegen lassen soll. In der Hoffnung findet man die Stärke, weiterzugehen und zu leben.

Mir gefällt die Liebe zum Detail, die filigrane Arbeit am Bild. Die Hand der schwangeren Frau ist so fein gezeichnet. Und die Frauen am unteren Bildrand haben einen sehr sanften Ausdruck. Man spürt, welche Hingabe und welche Sorgfalt Klimt in jedes Bild gelegt hat. Die ganze Farbzusammenstellung ist toll: das kühle Silbergrau des Körpers der Schwangeren, gemischt mit fast schon unnatürlichem Rosé auf ihren Wangen, darunter gold-orangene Töne in ihrem Kleid, die wieder Wärme und Ausgleich bringen. Genau das ist ja auch das Leben, Kontraste. Und für mich strahlt das Bild hier Leben aus.

Klimt stellt Frauen in den Mittelpunkt seiner Kreativität. Das ist interessant, denn für mich ist das auch so. Nach den Farben zu urteilen, würde ich das Kleid der schwangeren Frau aus Seide mit Blattgold machen, große Saris, die bunten Punkte könnten auch Edelsteine sein. Das Ganze sieht aber mehr aus wie eine Konstruktion und weniger wie ein Tuch. Eine gewisse Traurigkeit strahlt das Bild auch aus. Insgesamt hat die zentrale Figur etwas von einem Halbmond, einer Sichel. Und der braune Hintergrund des Bildes sieht aus wie ein Sternenhimmel in unendlicher Weite.

Aufgezeichnet von Constance Frey

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