Berlin : Der Strahlemann

Lichtkünstler Andreas Boehlke hat sich das Konzept für das „Festival of Lights“ ausgedacht

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Die Stadt leuchtet! Bis zum 29. Oktober werden 30 große Gebäude, repräsentative Bauten, historische Gemäuer in buntes Licht getaucht. Das „Festival of Lights“ macht’s möglich, Dienstagabend wurde die Lichterschau am Fernsehturm eröffnet. Und nun geht der Stadt Abend für Abend ein neues Licht auf.

Die Visitenkarte des Mannes, der gewissermaßen die Berliner Lichtmaschine in Schwung hält, besteht aus einem Leporello mit 57 Farbfotos von diversen Beleuchtungen: Weihachtsmärkte, die Linden, der Kudamm, das Jüdische Museum, der Dom, die Siegessäule, das Schloss Charlottenburg und natürlich unser Wahrzeichen vom Pariser Platz – alles leuchtet. Andreas Boehlke von der Reinickendorfer Firma Lichtdesign sagt: „Ich möchte etwas für meine Heimatstadt tun und nicht fragen, was die Stadt für mich tut“. Zusammen mit der DIFA, der City Stiftung Berlin und diversen Sponsoren startet der 40-Jährige (verheiratet, zwei Kinder) die zweite Auflage des Lichterfestivals, und schon interessieren sich andere Städte für die Kunst des Lichtermachers, der an markanten Orten Berlins mit Licht und Schatten spielt.

Andreas Boehlke hat Strom schon in seinen Genen, er verkörpert die dritte Generation alteingesessener Elektroinstallateure; Großvater Hans hatte einst die Weichen gestellt und vor 60 Jahren eine Werkstatt eröffnet, Vater und Sohn stromerten hinterher. Bevor Andreas den Beruf des Strippenziehers lernte, war er schon mit Opa und Vater unterwegs im In- und Ausland, wo die Boehlkes bei diversen Messen die Stände bedeutender Firmen ins rechte Licht setzten. „Die Messebeleuchtung hat mich im Improvisieren geschult, man konnte lernen, mit dem Licht zu spielen und ausprobieren, was alles mit Strahlern und Leuchten möglich ist.“ Vor drei Jahren begann die Lichtspielerei in großen Dimensionen – erst am Kranzler-Eck, dann am Dom- Aquaree. Dort leuchten blaue Bänder noch immer durch die Nacht. Dass die wunderbare Architektur Berliner Bauten nach Sonnenuntergang im Dunkeln verschwindet, wurmte den Lichtarchitekten. Zum zweiten Mal setzt er nun sein Beleuchtungskonzept um: Aufs Bode-Museum werfen 46 Scheinwerfer ihr warm- weißes Licht, hinzu kommen Strahler für Säulen und Figuren und 14 Lampen für die Kuppel in Blau. Das Brandenburger Tor erscheint jeden Abend in einem anderen Farbbild.

25 Monteure sind seit Tagen mit dem Verkabeln beschäftigt, der Lichtregisseur antwortet auf die Frage, ob die Stadt ein bisschen im Kitsch ertrinkt, dass die Geschmäcker schließlich sehr verschieden sind und er bei Berlin an alle Farben denkt: „Berlin ist eben hip, facettenreich, dynamisch und bunt. Und das möchten wir zeigen.“ Nicht die Stadt, sondern Sponsoren bezahlen das farbige Spektakel, bei dem immer wieder die Farbe Blau hervorsticht: Blaue Herzen sind das Symbol, mit dem sich die City Stiftung Berlin für das Wohl der Kinder einsetzt – damit auch ihre Augen strahlen.

Informationen im Internet

www.festival-of-lights.de

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