Berlin : Der Streit um den Hund tobte schon 1781

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Die einen lieben ihn – die anderen hassen ihn: Der Hund ist das umstrittenste Haustier Berlins, seit mehr als 200 Jahren. Schon im späten 18. Jahrhundert gab es bitterböse Leserbriefe in Berlins Lokalzeitungen. Mit den zahlreichen Initiativen gegen die Häufchen und Hunde in der Stadt, die meist erfolglos blieben, könnte man ein Buch füllen. Hier ein Rückblick:

„Es ist eine alberne und schädliche Gewohnheit, mit großen Kötern aus purer Nachahmungssucht spazieren zu gehen“, schimpfte beispielsweise der Berliner Buchhändler Friedrich Nicolai 1781. Schon damals musste jeder Hund registriert sein, eine Blechmarke tragen und möglichst angeleint spazieren gehen. Der Maler Daniel Chodowiecki machte sich darüber 1799 lustig. Er karikierte elegante Damen und Herren mit ihrem angeleinten Liebling. Titel: „Berlinische Folgsamkeit“.

Eine bissige Kriegserklärung stand 1828 im „Berliner Courier“: „Es grenzt ans unglaubliche, welche Masse Hunde in Zimmern und Straßen herumlaufen und die Leute anfallen.“ Im Jahre 1863 verhängte die Stadt per Polizeiverordnung einen Maulkorbzwang, aber der wurde ignoriert und als Schildbürgerstreich verspottet. In den frühen zwanziger Jahren ärgerte sich dann der Dichter Kurt Tucholsky über die dickfelligen Hundehalter, „die ganz erbarmungslose Menschen sind“.

1929 erging die „Berliner Straßenverordnung“, in der es auch mit Blick auf die Hunde heißt: „Jedes unbefugte Verunreinigen der Straße ist verboten.“ 1941 war in einer Zeitung zu lesen: „Die meisten Hunde folgen ihrem Naturdrang ohne Rücksicht auf den Ort, wo sie sich befinden.“ Und 1950 zürnt eine Leserin im Tagesspiegel: „Man stolpert fast über die Vierbeiner, die auf dem Bürgersteig ihre Visitenkarte hinterlassen.“

1973 wurde vor dem Charlottenburger Rathaus offiziell eine Sandkiste vorgestellt – die erste Berliner Hundetoilette. 1983 startete der Senat eine Plakataktion: „Guter Wille kann Häufchen versetzen!“ Aber die SPD glaubt nicht mehr an das Gute im Hundehalter. Sie fordert den „Schaufel- und Tütenzwang“. 1988 stinkt es den Abgeordneten so arg, dass sie die bisherigen 50 Zentimeter breiten „Lösungsstreifen“ am Rande des Bürgersteiges abschaffen. Dort durfte der Kot bisher liegen bleiben. Nun muss man ihn überall beseitigen, was mit Geldbußen durchgesetzt werden soll. Das ist bis heute nicht gelungen. CS

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