Berlin : Der Student spuckte aufs Urteil Prüfer mit Mord gedroht:

Einweisung in Psychiatrie

Kerstin Gehrke

„Herr S., halten Sie sich zurück!“, rief die Richterin. Doch Alaa S. dachte gar nicht daran. Wieder und wieder spuckte er vor Wut in den Gerichtssaal. Er hatte auf eine kurze Freiheitsstrafe gehofft. Doch das Berliner Landgericht ordnete gestern seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Der 32-Jährige sei gefährlich für seine Mitmenschen, urteilten die Richter.

Alaa S. ist der Student, der im vergangenen Dezember seinem Professor mit Mord gedroht hatte. Als er mit einer Studienarbeit im Fach Luftfahrzeugbau durchgerasselt war, platzte er ins Büro seines Prüfers und drohte dem Professor, zwei palästinensische Kämpfer auf ihn anzusetzen, um ihn zu töten. Kurz darauf zog er vor dem Hintereingang des Instituts für Luft- und Raumfahrt ein Messer und verletzte einen Wachmann am Hals.

Im Prozess hatte Alaa S. die Aussage verweigert. Über sein Leben ist wenig bekannt. Mehrere Gutachter hatten sich mit dem staatenlosen Palästinenser befasst, der etwa zehn Jahre lang an der Technischen Universität studiert hatte. Der Campus war zuletzt sein Zuhause: In seinem Schließfach fand man Lebensmittel, Rasier- und Zahnputzzeug. Den Sicherheitsleuten war er schon häufiger aufgefallen.

Alaa S. sei als schwieriger Einzelgänger bekannt gewesen, sagte der bedrohte Professor im Prozess. Dass sein Student bereits seit 2001 nach einer tätlichen Auseinandersetzung auf dem Uni-Gelände Hausverbot hatte, war dem Hochschullehrer allerdings nicht bekannt. In den mündlichen Prüfungen habe S. ganz gut abgeschnitten. Mit seinen eher dürftigen Deutschkenntnissen aber scheiterte er im Schriftlichen. „Wir konnten die Studienarbeit fachlich nicht beurteilen, weil wir nicht verstanden, was er ausdrücken wollte“, sagte der Professor.

Politische Motive lagen bei der Drohung nicht vor. Alaa S. leide an Realitätsverlust und ständigem Groll gegen seine Mitmenschen, hieß es im Urteil. Es seien weitere erhebliche Straftaten zu erwarten, begründeten die Richter die Einweisung. Sein Verteidiger hatte auf eine milde Freiheitsstrafe wegen Bedrohung und Körperverletzung plädiert. Weil S. schnellstmöglich abgeschoben werden wolle. Nun aber könnte es dauern, bis S. wieder freikommt.

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