Berlin : Der Tag der wehenden Fahnen

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Berlin ist bunt – und seit Donnerstag noch ein bisschen bunter. Denn vor den Rathäusern sind die Regenbogenfahnen aufgezogen. Und türkische Fußballfans trugen ihre Flagge durch die Straßen. Jubelnd präsentierten sich die Fans der türkischen Nationalmannschaft nach dem WM-Spiel auf dem Kurfürstendamm und der Tauentzienstraße in Rot-Weiß. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dagegen wie auch Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), Urgestein der Berliner Landespolitik, zogen an der Strippe und zeigten damit Flagge in Regenbogenfarben: Wowereit am Roten Rathaus, Künast am Rathaus von Tempelhof-Schöneberg.

Die Regenbogenfahne ist ein Symbol der homosexuellen Bürgerrechtsbewegung. Es ist das zweite Mal, dass Wowereit diese Aktion mitmacht. Seine Amtsvorgänger hatten es stets abgelehnt, zum Anlass des lesbisch-schwulen Stadtfestes und des Christopher Street Day Flagge zu zeigen. Stattdessen zog der ehemalige Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) gegen alle Bezirksbürgermeister zu Felde, die gegen seine Anordnung die Fahne vor den Ämtern hissten.

Jetzt regiert Rot-Rot, an der Spitze steht ein bekennend schwuler Regierungschef, und schon ist das große Streitthema keines mehr. Wowereit will damit ein Zeichen setzen für Toleranz und Weltoffenheit der Stadt sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Auch in Berlin gebe es noch immer Ressentiments gegen Homosexuelle, so Wowereit. Eine Erfahrung, die er auch selber macht. Im Interview mit der Stadtzeitung „Siegessäule“ erklärte er, dass er noch immer Schmäh-Briefe wegen seiner Homosexualität erhalte. Es gebe noch keinen Grund zur Entwarnung.

In Berlin flattern an sieben der zwölf Bezirksrathäuser jetzt Regenbogenfahnen, unter anderem in Mitte, Pankow, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Dort beginnt am kommenden Sonnabend auch das lesbisch-schwule Stadtfest rund um den Nollendorfplatz, zu dem wieder mehrere hunderttausend Gäste erwartet werden. Am Sonnabend darauf, dem 22. Juni, startet mittags auf dem Kurfürstendamm die alljährliche Parade zum Christopher Street Day. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse will ebenso dabei sein wie Wowereit. Zum zweiten Mal wird in diesem Jahr von den Veranstaltern ein Zivilcourage-Preis verliehen. oew

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