Berlin : „Der Tag war erfreulich“

Berlins Kinderhospiz warb für seine Arbeit

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Zum ersten Mal wurde gestern der „Tag der Kinderhospiz-Arbeit“ begangen. Mit ihm wollten die sieben stationären und zwölf ambulanten Einrichtungen, die unheilbar oder todkranke Kinder und deren Angehörige betreuen, auf sich und die Betroffenen aufmerksam machen. Der vor drei Jahren gegründete und von Jürgen Schulz geleitete „Sonnenhof“ in Pankow ist das einzige Kinderhospiz in Berlin und den ostdeutschen Ländern.

Wie alt sind Ihre Patienten, Herr Schulz?

Die beiden ältesten sind 19, die Jüngsten sind noch nicht mal zwei Jahre alt. Keiner von unseren zurzeit zwölf Gästen wird ein normales Alter erreichen. Unsere Patienten haben Stoffwechsel- oder neurologische Krankheiten. Krebs kommt an dritter Stelle.

Betreuen Sie die Kinder auch ambulant?

Unbedingt, wenn es geht. Die ambulante Betreuung macht den weitaus größten Anteil aus. Wir haben ja nicht nur Pflegekräfte, sondern auch 178 ehrenamtliche Familienbegleiter, die sich um 156 Patienten und deren Familien kümmern.

Wer kann Familienbegleiter werden?

Jeder, der in sich ruht und nicht schon mit seinen eigenen Problemen überfordert ist. Man kann ja auf vielerlei Weise helfen: die Familie zum Arzt begleiten, mit den Geschwistern Hausaufgaben machen oder mal auf das kranke Kind aufpassen. Wir freuen uns über jeden, der Familienbegleiter werden will. Deshalb haben wir am Freitag ja auch in Bussen und Straßenbahnen geworben – mit dem grünen Band am Spiegel als Zeichen der Hoffnung und mit Info-Plakaten. Es geht ja nicht nur ums Mitmachen, sondern auch um Spenden, die mehr als zwei Drittel unseres Budgets ausmachen.

Was hat Ihnen der Freitag gebracht?

Er war erfreulich. Gleich morgens haben uns sieben Bundestagsabgeordnete besucht, die ich auf unsere Probleme ansprechen konnte. Finanziell sind wir nämlich eingestuft wie ein Erwachsenenhospiz, aber Kinder haben nicht nur andere Krankheiten, sondern brauchen auch eine viel intensivere Betreuung. Wir müssen also ständig Ausnahmeregelungen für alltägliche Fälle organisieren.

Jürgen Schulz (66)

ist Vorstand der Björn-Schulz-Stiftung. Sie ist nach seinem Sohn benannt, der 1982 als Siebenjähriger an Leukämie starb. Das Gespräch führte Stefan Jacobs.

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