Der Tagesspiegel : Umgezogen und angekommen

Der Tagesspiegel feierte die Eröffnung des neuen Verlagshauses am Askanischen Platz – nicht allein.

Elisabeth Binder
311069_3_xio-fcmsimage-20091120203913-006000-4b06f06186e1b.heprodimagesfotos83120091121festakt-36.jpg
Spitzentreffen. Unter den politischen Gästen waren Frank-Walter Steinmeier und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Ein neues Haus verbindet Zukunftsfreude mit Erinnerungen und freut sich, stolz gezeigt zu werden. Noch einmal ging der Blick zurück, als Verlag und Redaktion am Freitag mit Geschäftspartnern und prominenten Berlinern zum ersten Mal am neuen Standort feierten. Auch die drei Tagesspiegel-Herausgeber, Giovanni di Lorenzo, Hermann Rudolph und Pierre Gerckens erzählten den Gästen von ihren persönlichen Umzugserfahrungen.

„Die Potsdamer Straße hat den Raum geschaffen dafür, dass der Tagesspiegel wurde, was er jetzt ist“, sagte Hermann Rudolph in einer von Giovanni di Lorenzo moderierten Talkrunde. „Jetzt war es aber auch an der Zeit, dem, was wir geworden sind, einen adäquaten Rahmen zu geben.“

Die Chefredakteure Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt bekannten sich ausdrücklich zum breiten Meinungsspektrum der Zeitung. „Wir wollen zeigen: Wie wird debattiert“, sagte Lorenz Maroldt und gab Beispiele aus der Leserpost, wie unterschiedlich die Zeitung eingeschätzt wird, mal als viel zu rechts, mal als viel zu links . „Wir zetteln Debatten an und halten Konflikte aus. Das ist tätige Toleranz“, ergänzte Stephan-Andreas Casdorff.

Frank Lüdecke, Sprecher der Geschäftsführung, hob hervor, dass Verleger Dieter von Holtzbrinck, der Wirtschaftskrise trotzend, ein deutliches und sichtbares Zeichen am Medienstandort Berlin gesetzt habe: „Nun also sind wir angekommen in Berlins historischer Mitte.“ Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit war angetan von den neuen Räumen. „Nichts ist für die Menschen schlimmer als Veränderung“, sagte er beim Rundgang, und fügte hinzu, dass er persönlich Veränderung eigentlich möge. Neugierig erkundete er das Haus, nahm sich viel Zeit in den Ressorts Berlin und Kultur und bemerkte frotzelnd, dass die Räume der Chefredaktion großzügiger ausgefallen seien als die der Mitarbeiter. „Die Sozialdemokratie ist schwer im Kommen“, hatte Lüdecke zuvor auch Wowereits Parteigenossen Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel begrüßt. Den neuen Newsroom führte der Verlagschef vor als „Herzstück der Redaktion, in dem sich Print und Online verzahnen“. Bei den Rundgängen zeigten die Premierengäste großes Interesse dafür, wie genau ihre Zeitung eigentlich gemacht wird.

„Hier entfalten sich also die Gedanken“, kommentierte Kunstexperte Peter Raue den Konferenzraum, den wichtigsten Ort der heftigen Debatten. Auf Anhieb fielen ihm die noch großen weißen Flächen an den Wänden auf, die Platz für viele schöne Bilder bieten. Auch Opernintendantin Kirsten Harms gefiel die neue Zeitungskulisse, besonders lobte sie die hohen Decken und die Fenster, die viel Licht ins Haus einfallen lassen.

Am Ende der Talkrunde stand der Blick in die Zukunft. Geschäftsführerin Marion Bleß zeigte sich sicher, dass es sowohl für Print als auch für Online eine Zukunft gibt. Und Hermann Rudolph wünschte sich für die Zukunft eine Stadt, die von vielen Menschen aus der Bundesrepublik als ihre Hauptstadt angenommen wird. Der Neuaufbau nach dem Fall der Mauer sei das Größte gewesen, was man in den letzten zwanzig Jahren erleben durfte.

Giovanni di Lorenzo fühlt sich nach dem Umzug der Zeitung „historisch besiegt“. Dem alten Haus in der Potsdamer Straße hatte der ästhetisch sensible „Zeit“-Chefredakteur einst den Spitznamen „Bulgarien“ verpasst. „Dies ist in allem das Gegenteil“, sagte er.

Bei Havelzander und „Tagesspiegel-Kräuterbouletten“ gab es später noch reichlich Gelegenheit, über die Pläne für das neue Haus zu sprechen. Sind alle Tücken des Anfangs erst mal überwunden, soll es hier künftig noch mehr Veranstaltungen und Begegnungen mit Lesern geben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben