Berlin : Der Tagesspiegel

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Lisa Lounge, Mitte, Geheimtipp, gute Taxifahrer kennen den Weg

Geschichten mit dem Taxifahrer anfangen lassen, das darf man nicht. Zu platt, zu abgegriffen, zu pseudo-volksnah. Gerade Berliner Taxifahrer stehen offenbar auf dem Index ganz oben. Was aber, wenn Freundin A und ich an der Greifswalder Straße in ein Taxi steigen, an dessen Beifahrer-Kopfstützen-Rückseite ein gerahmtes Schild montiert ist, auf dem steht: „Ich, der Taxifahrer, halte für Sie gekühlten Sekt bereit“? Und was, wenn daneben ein Passbild des Fahrers hängt, damit die Kundschaft ihren Chauffeur auch mal von vorne sieht? Was, wenn dieser auf dem Dach seines Wagens eine Mini-Bärenflagge mit Herzchen angebracht hat? Dann muss man eine Ausnahme machen. „Ihr Taxi ist das tollste, mit dem ich jemals gefahren bin“, schleimt Freundin A, als wir vor der Lisa Lounge aussteigen. Der erste hysterische Girlpower-Lachflash des Abends. Der zweite, als uns der Türsteher hinterherruft: „Meine Damen, bitte zahlen sie Eintritt!“ Wo sind wir denn gelandet? Wir drücken einen Zehner ab. Freundin A, deren Hobby es ist, sich für alles zu entschuldigen, entschuldigt sich dafür, dass sie mich hergebracht hat. Dabei ist die Lisa Lounge wunderbar: hohe Räume, überall bequeme Sitzlandschaften, Palmen, gute Musik, extrem freundlich lächelnde Barfrauen, schmeichelndes Licht. Das Publikum sieht nett aus. „Man möchte mit jedem reden“, meint Freundin A.

Sie muss nicht lange warten. Peter setzt sich neben sie. Peter kommt aus Heidelberg, trinkt Tannenzäpfle-Bier, übt einen kreativen Beruf auf und schätzt sie sechs Jahre jünger. Freundin A strahlt. Ich gehe mir den Nebenraum angucken - der Tanzraum ist schlicht und groß, aber leider ist niemand drin. Wahrscheinlich wollen die vielen netten Leute lieber Konversation machen. So wie Peter und Freundin A. Als es auf fünf Uhr zugeht, verschwindet Peter. Der dritte Girlpower-Lachflash. Esther Kogelboom

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