Berlin : Der Tagesspiegel

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Berlin ist pleite. Das ist nicht neu. Berlin kann sich seine teure Verwaltung nicht mehr leisten und muss Personal abbauen. Das ist nicht einfach. Denn kündigen darf die Stadt in den nächsten beiden Jahren nicht, also muss man zusehen, wie man die überflüssigen Mitarbeiter los wird. Finanzsenator Thilo Sarrazin ist da etwas Besonderes eingefallen. Er will Leute, die er nicht sofort auf andere Stellen setzen oder nicht ohne Mühe für einen neuen Job qualifizieren kann, in Einzelfällen bei vollem Gehalt spazieren gehen schicken, wenn sie ihn bei der Umsetzung der Verwaltungsreform stören. Und Sarrazin präzisiert sogar, dass es „mehrere Einzelfälle“ sein werden. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Was für ein Signal sendet er da nach außen? Alle sollen sparen, dass es quietscht – wie es der Regierende Bürgermeister so schön gesagt hat –, aber der Senat hat nicht genügend Fantasie, für überflüssige Beschäftigte eine neue sinnvolle Arbeit zu finden. Da kann man nur gespannt sein, wie Berlins oberster Sparer das der Öffentlichkeit vermitteln möchte. Als ob es nicht genügend Dinge gibt, die angepackt werden müssten. Soll man sich doch über die Arbeitskraft freuen, so lange man sie noch hat. Sarrazins Vorstellungen lassen auf keine besondere Kreativität bei der dringend notwendigen Reform erwarten. Aber darauf zu hoffen, ist wohl vermessen. Schon bei dem zugegebenermaßen recht umfangreichen Stellenabbau der vergangenen Jahre hatte man nicht das Gefühl, dass gestrichen wurde, wo es sinnvoll, sondern wo es leicht war. Sigrid Kneist

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