Berlin : Der Tagesspiegel

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HINTER DEN KULISSEN

Nach sechs Wochen ist der komplizierte Fußbruch, den sich Karin Schubert am Ostersonntag beim Waldspaziergang in Neunbrandenburg zugezogen hatte, so gut wie geheilt. Am Montag nimmt die Bürgermeisterin und Justizsenatorin ihre Amtsgeschäfte wieder auf – mit „kleiner Gehhilfe“, aber „voller Tatendrang“. Gleich um zehn Uhr hat sie ihren ersten Auftritt in Vertretung des Regierenden Klaus Wowereit. Sie empfängt im Roten Rathaus eine chinesische Delegation mit dem Provinzgouverneur Bo Xilai an der Spitze, die zu Gesprächen mit Unternehmen in Berlin ist. Na ja, auf ärztlichen Rat soll sich Frau Schubert ihren Terminkalender noch nicht mit Stehempfängen vollstopfen lassen. Egal, sie macht die Honneurs auch gerne im Sitzen.

Wer dem Staat 25 Jahre treu gedient hat, bekommt eine Jubiläumsurkunde. Insofern sind alle Beamten gleich. Bausenator Peter Strieder überreichte dieselbe jetzt feierlich seinem Staatssekretär Hans Stimmann (61). Diplom-Ingenieur Stimmann begann seinen Dienst 1977 in der Stadtplanungsabteilung unter Bausenator Harry Ristock. Seit 1991 ist er Staatssekretär. Zwischendurch war er zwar Planungsdezernent in Lübeck (hanseatisch war er dort Senator), aber für Jubiläumsurkunden werden alle Tätigkeiten im öffentlichen Dienst zusammengezählt. Die ersten Jahre, meint Strieder, waren für Stimmann sicher nicht so wichtig wie die letzten zehn, da er das Gesicht des neuen Berlin als Senatsbaudirektor mitgeprägt hat.

Unter Parlamentskollegen ist alles möglich, sogar, dass die Opposition die Regierung herauspaukt. So half Volker Ratzmann von den Grünen Frederik Over aus der Patsche. Und das kam so. Als die Polizei vor längerer Zeit gegen eine Aktion von Obdachlosen vor dem Hotel Adlon einschreiten wollte, tauchte Over auf und erklärte das Ereignis zu einer „Spontan-Demo“, was unter bestimmten Umständen möglich ist. Der PDS-Abgeordnete bekam aber einen Strafbefehl und legte Widerspruch ein. Die Sache landete vor Gericht und zog sich hin. Ratzmann wurde als Overs Rechtsanwalt tätig. Folglich freuen sich beide genauso über den jetzt ergangenen Freispruch.

Über das dicke Ende eines gemütlichen Kneipenabends im Kreuzberger „Bateau ivre“ kann sich Grünen-Chefin Regina Michalik nur mit Humor hinwegtrösten. Zu vorgerückter Stunde bemerkte sie den Verlust ihrer Handtasche mit sämtlichen Papieren, Scheckkarten und so weiter. Als sie bei der Polizei Anzeige erstattete, konnte sie ihre Identität nur noch an Hand ihres Segelboot-Führerscheins bekunden. Die Polizistin erkannte das auch umstandslos an. Bleibt Frau Michalik nur das Amüsement über den französischen n des Restaurants. Bateau ivre heißt: betrunkenes Schiff. Womit nicht gesagt ist, dass der Taschenklau im Vollrausch war.

Zu den wichtigsten Gedächtnisstützen gehört heutzutage der Laptop. Die Parlamentsverwaltung hat alle Abgeordneten des Hauptausschusses damit ausgestattet, damit sie Daten, Fakten, Zahlen abrufen können und nicht mehr kiloweise Haushaltsakten mit sich herumschleppen müssen. Pech, wenn so ein Ding, in dem das halbe Leben steckt, plötzlich den Geist aufgibt. Martin Matz (FDP) passierte der Absturz. Am Mittwoch starrte er wie blind im Hauptausschuss auf die schwarze Mattscheibe. Er konnte nur beim Kollegen Christoph Meyer und beim Fraktionsassistenten Raul Mügge ein bisschen schmulen. Auch beim Mannheimer FDP-Bundesparteitag muss er nun ohne elektronisches Gedächtnis auskommen. Das Ding ist in Reparatur. Brigitte Grunert

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