Berlin : Der Tagesspiegel

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HINTER DEN KULISSEN

Mit einem Mitbringsel aus dem Urlaub auf Kuba überraschte der Chef der Senatskanzlei, André Schmitz, den Regierenden. Dort hatte Schmitz einen Siegespokal aufgetrieben. Schon etwas ramponiert, aber dafür ein historischer vom Golfturnier anno 1942. Klaus Wowereit spielt gern Golf. Oder was wollte ihm Schmitz sonst damit sagen? Na ja, der Regierende wird etwas rundlich. Die vielen Sitzungen, die vielen Dinners, unregelmäßiges Essen und wenig Bewegung vor lauter Terminstress, das führt eben zur typischen „Politiker-Krankheit“. Manche joggen erfolgreich dagegen an wie Wowereits Vorgänger Eberhard Diepgen und Peter Strieder. Doch das ist nicht Wowereits Wellenlänge. Und zum Golfen kommt er nur im Urlaub. Wie viel er zugenommen hat, behält er für sich, jedenfalls sieht man’s ihm an.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Die Überhangkräfte im öffentlichen Dienst, die aus den Amtsstuben verbannt und im Zentralen Stellenpool verwaltet werden sollen, fürchten, dass sie für ihr Geld nichts mehr tun dürfen, was Finanzsenator Thilo Sarrazin ja auch nicht ausschließt. Das ist auch in der Senatskanzlei Dauergespräch unter Überlebensstrategen und künftigen Spaziergängern. Beim Mittagessen in der Rathaus-Kantine erzählte einer neulich, dass er im Botanischen Garten eine kleine fleischfressende Pflanze entdeckt hat, die sorgsam unter Glas gehegt wird. Ihr ist „Sarrazinie“. Der Mann erntete Gelächter.

Gewiss doch, die Zeiten ändern sich schneller, als der Gang der Verwaltungsreform erlaubt. Im Preußischen Landtag gibt es eine telefonische Auskunftsstelle. Dort rief die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus an und bat um die Telefonnummer ihres CDU-Kollegen Peter Kurth, mit dem sie über irgendeine Fachfrage im Wirtschafts- oder Wissenschaftsausschuss sprechen wollte. Die Auskunft war köstlich. „Peter Kurth? Na der ist doch Senator und sitzt im Roten Rathaus.“ Ja, Kurth war Finanzsenator, aber erstens nur bis zum 16. Juni 2001, und zweitens sitzt der Finanzsenator seit Mitte der neunziger Jahre in der Klosterstraße (Mitte).

Vorläufig muss die Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert wegen ihres beim Osterspaziergang gebrochenen Fußes noch an Krücken gehen; seit einer Woche ist sie wieder im Amt. Jeder konnte sehen, wie sie am Donnerstag bei der Parlamentssitzung auf der Regierungsbank zwischen Wowereit und Gregor Gysi saß: hinter sich die Krücken, das „schlimme“ Bein hochgelegt. Das Bein ruhte aber nicht etwa auf dem Knie von Gysi oder Wowereit, sondern auf dem Aktenkoffer. Dass man auch mit Krücken repräsentieren kann, bewies sie mit dem Empfang einer chinesischen Politiker-Delegation. Frau Schubert verblüffte die Gäste mit Latein. Die alten Römer, meinte sie am Ende ihrer Begrüßungsansprache, hätten für den Monat Mai einen Spruch gehabt, der auch auf die deutsch-chinesischen Beziehungen passe: „Vivat, crescat, floreat!“ Auch die mögen leben, wachsen und gedeihen.

Ohne Sprachrohr sind die Spitzenpolitiker gehandicapt. CDU und SPD haben nach längerer Vakanz wieder welche. Am 1. Juni tritt der neue CDU-Fraktionssprecher Michael Thiedemann (33, Betriebswirt) für Frank Steffel an. Er war persönlicher Referent der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Kommunikationsgeübt ist auch Hannes Hönemann (34, Politologe), seit 15. Mai SPD-Parteisprecher. Er war Assistent eines NRW-Landtagsabgeordneten und hatte in Berlin als Bildungsmanager mit Umschulungen zu tun.Brigitte Grunert

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