Berlin : Der Tagesspiegel

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Ein kurzer Exkurs zu Beginn: Es gibt in Berlin eine städtebauliche Leitlinie, die heißt „Planwerk Innenstadt“ und wird vor allem von Stadtentwicklungssenator Strieder vertreten. Sie besagt, dass, wo immer möglich, der historische Stadtgrundriss nachvollziehbar sein soll. Um Stadtgeschichte erinnerlich und lebendig zu halten. Sind Bahnhöfe aber keine stadtgeschichtlichen Zeugen? Der Görlitzer Bahnhof hieß so, weil dort die Görlitzer Bahn – nach Görlitz und weiter – abging. Dergleichen der Schlesische Bahnhof, der Hamburger Bahnhof… Selbst wenn sie nicht mehr existieren, so zeugen ihre n doch von früherer Zeit, früherer Stadt und frühem Eisenbahnverkehr. Warum will Verkehrssenator Strieder nicht gelten lassen, was Stadtentwicklungssenator Strieder verficht?

Damit Touristen wüssten, woran sie sind mit dem riesigen Bahnhof, der nicht irgendeiner, sondern eben der bedeutendste Bahnhof in Berlin werden soll, antwortet Strieder, und mit ihm Bahnchef Mehdorn. Klar, und den Bahnhof Zoologischer Garten benennen wir auch gleich um, der ist ja auch mehr als ein Gleisanschluss zur Käfigtierhaltung. Im Übrigen liegt die Bedeutung eines Bahnhofs für den Reisenden einzig darin, dass er von dort am schnellsten an sein Ziel gelangt. Schließlich aber – und das ist das entscheidende Argument gegen die Umbennung des Lehrter Bahnhofs: Leute, die zu Wörtern wie „ServicePoint“, „Surf&Rail“, „BahnShop“ oder „FundService“ fähig sind – die taufen ihn am Ende CentralBahnhofMitte. Holger Wild

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