Berlin : Der Tagesspiegel

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Man kann zwar nicht sagen, dass die Berliner Bahnhöfe in der Geschichte alle naselang ihre n geändert hätten. Aber direkt neu sind Umbenennungen auch nicht. Das Leben geht eben weiter, Bedeutungen ändern sich. Die Berliner Bahnhöfe hießen früher nach ihren Zielorten. Der heutige Ostbahnhof zum Beispiel war erst Frankfurter, dann Niederschlesisch-Märkischer, dann Schlesischer Bahnhof, dann Ostbahnhof, elf Jahre Hauptbahnhof und ist seit 1998 wieder Ostbahnhof. „Hauptbahnhof“ war für Neu-Berliner und Touristen gleichermaßen irreführend, denn die Station hatte ja kaum Fernverkehr. Und das genau ist der Punkt: Der Name Lehrter Bahnhof für den größten Bahnhof Europas wäre schlicht verwirrend. Der Verweis auf Historie und Symbolik mag beachtlich sein, sticht aber letztlich nicht.

„Wir Berliner wissen ja, was gemeint ist“ – das wäre ein wenig selbstgerecht. Wir sind schließlich nicht allein in der Stadt. Fünf Millionen Gäste beherbergte Berlin 2001 allein in seinen Hotels, hinzu kommen Tagestouristen und Leute, die bei Freunden oder Verwandten übernachten. Seit der Wende sind eine Million Menschen neu nach Berlin gekommen. Und soll man Millionen unnötig verwirren, nur um 45 000 Einwohner einer niedersächsischen Kleinstadt nicht zu verärgern? Die Bewohner Lehrtes werden vielleicht kurz ärgerlich sein, sich dann aber schnell wieder anderen Themen zuwenden. Da möchte man fast hinzufügen: Und das ist gut so. Fatina Keilani

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