Berlin : Der Tagesspiegel

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THEKENTANZ

Steakhouse, im ehemaligen wmf, Ziegelstraße 23, Mitte, sonnabends ab 23 Uhr.

Es gibt Abende, da kommt alles zusammen. Eigentlich wollte man kissenknautschend auf dem Sofa sitzen und zum fünften Mal kontrollieren, ob der Lieblings-Liebesfilm mit den Lieblings-Liebespaar auch wirklich ein Happy-End hat. Aber dann piept das Telefon dazwischen. Der Anrufer, sonst der Lieblings-Freund, quengelt so lange, bis man sich doch wider die größte Unlust in die Samstagnacht quält. Das kann ja nichts werden. Einziger Hoffnungsschimmer: Im einstigen Lieblings-Club, dem wmf in Mitte, soll es eine schicke Homo-Party geben. Obwohl noch recht neu, soll sie in Nullkommanichts die Lieblings-Veranstaltung aller hauptstädtischen Nachteulen geworden sein. Zehn Euro wandern in die Kasse des Türstehers. Für den Wodka Lemon geht auch noch mal ein Fünfer drauf. Zu allem Unglück hat der Keeper die Übersetzung für „Wodka“ wörtlich genommen: Es ist nur ein Wässerchen, was da im Glas schwappt.

Und dann steht man plötzlich ohne die Lieblings-Begleitung da. Hat sie sich in irgendeine der semi-dunklen Sitzecken gefläzt? Auf der übersichtlichen Tanzfläche hopst sie nicht herum. Ach, wäre man doch vor dem Lieblings-Video sitzen geblieben!

Dafür drückt sich Publikum herum, das zu viele Stunden im KaDeWe und zu viele Monate im Fitnessstudio verbracht hat. Ach ja, „Beef is back" lautet der Untertitel der Veranstaltung, über dem wiederum „Steakhouse" steht. Gegrilltes gibt es auch – von der Sonnenbank. Déjà-vu in der Samstagnacht. Ist doch kein innovativer Anblick! Im Osten nichts Neues? Doch, doch: Eine neue Lounge für amouröse Aktionen - für wenige betörend. DJs von außerhalb - für viele verstörend. Zum Glück fällt man als Miesepeter nicht auf. Die Umstehenden gucken auch unfroh. Die Armen sind wohl vom Lieblings-Video weggelockt worden. Björn Seeling

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