Berlin : Der Tagesspiegel

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Von Lars von Törne, Sydney

Aus der Körperhaltung des Unternehmers Anthony Kalcina spricht Skepsis. Der Mittvierziger lehnt sich in seinem Stuhl zurück, schaut aus dem Konferenzsaal hinaus auf den Hafen von Sydney und verschränkt seine Arme vor der Brust.

„Mal gucken, was das hier wird“, sagt der Geschäftsführer der australischen Telekommunikations-Firma „Clarity International“ zurückhaltend. Seine Firma hat die meisten ihrer 200 Mitarbeiter in Australien, die Geschäfte laufen innerhalb des Landes sowie mit Asien und den USA. Was soll er da in Deutschland oder Berlin? Allerdings will seine Firma expandieren, und zwar Richtung Europa. Also mal gucken, was die Deutschen bieten.

Mehr als 20 Unternehmen aus „Down Under“ hatten die Berliner Wirtschaftsförderung und die deutsch-australische Industrie- und Handelskammer am Montag zum Arbeitsfrühstück mit Klaus Wowereit eingeladen. Mit dem Amtsbonus des Bundesratspräsidenten, der zur Zeit auf Einladung des Senats zu Gast ist, warben sie um neue Investitionen in der Hauptstadt.

Von Wowereits Besuch erhoffen sie sich viel. Werbung für den Standort Deutschland ist im historisch auf Großbritannien ausgerichteten Australien ein sehr mühsames Geschäft, weiß Handelskammer-Chef Klaus Volker Schuurmann. Wenn jetzt einer der ranghöchsten Vertreter der Bundesrepublik einlädt, sei die Resonanz wesentlich größer als sonst.

„Berlin is the most exciting city in the world“, beginnt Wowereit seine Rede und lobt dann die junge Bevölkerung und die Kultur in der deutschen Hauptstadt, die Nähe zu Osteuropa und das anregende Umfeld vieler Hightech-Firmen und den geplanten Großflughafen. „Berlin ist noch nicht fertig“, spricht Wowereit die Geschäftsleute direkt an. „Wir haben noch Platz für australische Pioniere!“ Doch die ausländischen Unternehmer sind skeptisch. „Gibt es dort wirklich genug Arbeitskräfte, die Software in Englisch entwickeln können?“, fragt Manager Michael Cliff von der Firma „Tower Software“ zweifelnd. Und ein Manager zweifelt daran, ob der neue Flughafen in Schönefeld wirklich wie geplant fertiggebaut wird.

Wowereit versucht, die Bedenken zu zerstreuen, lobt die guten Sprachkenntnisse der Berliner, die vielen Wirtschaftskontakte zu den osteuropäischen Nachbarn, und erklärt ohne zu zögern, dass man bei Schönefeld unverändert von der Fertigstellung bis 2007 ausgehe.

Anthony Kalcina gefällt das. Ebenso wie die seiner Auffassung nach günstigen Steuern in Deutschland und das „Business Welcome Package“, das Investoren eine Starthilfe in Höhe von rund 3000 Euro verspricht. „Das beeindruckt mich“, sagt der Unternehmer. Und Manager Michael Cliff kündigt an, dass er jetzt seine Kollegen aus London doch mal nach Berlin schicken wird, um sich die Sache ein bisschen genauer anzugucken.

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