Berlin : Der Tagesspiegel

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Schon gegen 9 Uhr hatten sich gestern Bahnfans auf dem S-Bahnsteig Lehrter Stadtbahnhof aufgestellt, ihre Kameras und Ferngläser gen Süden gerichtet, dorthin, wo bis 2006 der neue Super-Zentralbahnhof unter dem hohen, noch zweigeteilten Glasdach entsteht. Es hatte sich herumgesprochen, dass auf der großen Baustelle Geheimnisvolles passieren sollte.

Und tatsächlich rollten bald, von Bau- und Bahnarbeitern genau beobachtet, erste Züge heran, beladen mit Schwellen, stoppten, und fuhren wieder an, ganz langsam am Bahnsteig vorbei. Auf den Gleisen arbeiteten Techniker, die kleine computergestützte Messwagen schoben, um Schwingungen und die Dehnung von Gleisen zu registrieren und zu notieren. Kurz vor 11 Uhr rollten aus Richtung Zoo weitere Züge heran, insgesamt 30 beladene Güterwagen, jeweils über 50 Tonnen schwer, gezogen von zehn Lokomotiven. Sie alle waren zur „Probebelastung“ der neuen Bahnanlagen im Einsatz. Unter dem Glasdach wurden die Brücken einem umfassenden Testprogramm unterzogen, und dass nichts einstürzen würde oder etwa erneuert werden müsste, galt ohnehin als ziemlich sicher.

Bestimmte Tests müssen sein, um – wie es amtlich heißt – die Sicherheit des Bahnbetriebs zu gewährleisten. Spezialisten der Bahn sind nun insgesamt sechs Tage lang am Werk, um die 16 einzelnen Brücken der rund ein Kilometer langen Ost-West-Trasse im Bereich des Bahnhofs auf Belastungsproben zu stellen. Dazu werden die Züge nach einem festen Plan auf die einzelnen Brücken geschoben. Gemessen wird bei stehendem, anfahrendem und bremsendem Zug .

Um mit den Belastungstests beginnen zu können, mussten die Montage der Stahlkonstruktion des neuen Hallendachs abgeschlossen und die Gerüste abgebaut sein. Bis zum 16. Juni müssen alle Vorbereitungen für den Betrieb der Strecke – nicht des Bahnhofs – abgeschlossen ein. Signale, Sicherungstechnik und Oberleitung gehören dazu. Am 16. Juni wird der Verkehr auf den Fernbahngleisen zwischen Zoo und Ostbahnhof unterbrochen, um in Tag-und-Nacht-Arbeit die Anschlüsse zwischen alter Strecke und neuen Brücken herstellen zu können. C. v. L. / Fotos: Schleser

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