Berlin : Der Tagesspiegel

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THEKENTANZ

Notix,

Hagenauer Straße 1 (Ecke Sredzkistraße), Prenzlauer Berg, Tel.: 484 93 870, geöffnet täglich ab 9 Uhr.

Cocktails und Sushis - eine Kombination setzt sich durch. Gerade in Prenzlauer Berg scheinen sich Rohfisch-Hunger und Mixdrink-Durst wechselseitig so zu verstärken, dass ein weiteres Lokal offenbar zwingend notwendig war. Die Antwort heißt „Notix“. Aber was soll der bedeuten? Im Internet finden sich ein gleichnamiges Mittel der Veterinärmedizin, das nicht ungefährlich zu sein scheint: „Toxic to fish, bees and wildlife“, heißt es auf einer Pharmazeuten-website. Welche Sushis und Cocktails sind hier zu erwarten?

Das Lokal wirkt erstmal harmlos. Um die Ecke gedrechselt, mit Holzplattentresen und nordwestlich in eine Minilounge mit schwarzen Lederpolstern mündend. Die beim Besuch von companera und drinking man eine lautlustige Frauengruppe besetzt hielt. An der Wand ranken flammend rote Pflanzen empor - nur gemalt, aber doch seltsam. Dieses Motiv dekoriert auch die Karte. Lieber erstmal einen Toxikologen fragen?

Die Karte lenkte ab mit einer Seite, auf der des Deutschen Schlachtruf „Prost“ in 30 weiteren Sprachen präsentiert wird. Auf Hawaii sagt man also „Okole maluna hauoli maoli oe“. Und in Korea „Kong-Gong-Ui wi-ha-y“. Der drinking man würde gern persönlich prüfen, ob sich Hawaiianer und Koreaner auch beim dritten Drink vorschriftsmäßig zuprosten. Die schlagfertigen waitresses zerstreuten solche Gedanken mit dem knappen Hinweis, dass die georderten Sushis leider länger bräuchten. Außerdem gebe es „schlechte Kirin-Nachrichten“: das japanische Bier sei weggetrunken. Auch die bestellten Miso-Süppchen waren unabkömmlich. So warteten companera und drinking man mehr als eine Stunde auf die Sushis. Zwischendurch hastete der asiatische Koch herbei, entschuldigte sich und servierte einen heißen Trost-Sake. Es half wenig: Als die Sushis endlich kamen, waren love and peace längst entschwunden.

Dann warfen companera und drinking man einen Blick in die mit 215 Cocktails umfangreiche, aber kaum strukturierte Karte. Der Strawberry-Daiquiri mit drei Erdbeeren ging als passabel durch, der kraftvolle Boxcar (weißer Rum, brauner Rum, Apricot Brandy, Kirschlikör, Captain Morgan 73 Prozent, Grenadine, Zitronen-, Orangen- und Ananassaft, Melonenscheibendekoration) dimmte den Ärger auf Unter-Zechprell-Niveau hinunter. Tiefer nicht.

Der Bar-Name steht nicht für die Gefahr pharmazeutischer Experimente. „Notix“ soll „not X“ bedeuten, wie ein Keeper später durchgab. Der Mann hatte einstin der „X-Bar“ in der nahen Raumer Straße gewirkt und möchte sich nun distanzieren. Vielleicht sollten der drinking man und die companera mal wieder die „X-Bar“ inspizieren. Frank Jansen

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