Berlin : Der Tagesspiegel

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Hände weg von den Obdachlosen! Es sei denn, es wären helfende oder schützende Hände. Wer sich in Bahnhöfen an armen Teufeln vergreift, macht sich die Hände schmutzig. Die Bahn ist drauf und dran, sich mit der Vertreibung dieser wehrlosen Menschen die Hände schmutzig zu machen. Sie macht sich der Verleugnung einer skandalösen Tatsache schuldig: der erniedrigenden Armut und Hoffnungslosigkeit in einer Wohlstandsgesellschaft. Es sind erniedrigte Menschen. Und das Schlimmste ist, dass sie sich in ihrer wehrlosen Ausgeliefertheit auch selbst erniedrigen. Wer in seiner Not nicht mehr ein noch aus weiß, flüchtet in rauschhafte Täuschungen. Und wenn es kalt ist, flüchtet er in Bahnhofshallen. Wenn die obersten Bahnhofsvorsteher in ihren bequemen Sesseln jetzt davon reden, Bahnhöfe seien schließlich keine Wärmestuben, dann ist das blanker Zynismus, also Menschenverachtung. Dazu passt, dass man einen christlichen Ordensbruder der Bahnhofshalle Zoo verwies, weil er den in vielerlei Hinsicht Hungernden etwas zu essen brachte – und, was sich die Hallenwärter nicht vorstellen können: für einen kleinen Moment auch so etwas wie geahnte Liebe. Hinter dem Zynismus der Bahn steht noch etwas: Fürsorge sei Sache anderer. An diese der Appell: Schreitet ein, wenn einem erniedrigten Menschen von uniformierten Männern mit kraftstrotzendem Hosenboden die doch schäbige Unterkunft einer Bahnhofshalle verwehrt wird. Und schaut nicht immer weg, wenn ein Einzelner einschreitet!Ekkehard Schwerk

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