Berlin : Der Tagesspiegel

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Kreuzberg. „Die städtebaulichen Missstände und baulichen Mängel sind behoben“, versicherte am Dienstag die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Mit dem „Kottbusser Tor“ hat sie jetzt das größte und letzte Gebiet des ersten Stadterneurungsprogramms aus der Sanierung entlassen, die immerhin mit Mietobergrenzen verbunden war. Das Gebiet mit 614 Grundstücken, rund 12 000 Wohnungen und derzeit etwa 26 000 Einwohnern gilt allerdings - etwa direkt am Kottbusser Tor - als sozialer Brennpunkt.

Die bauliche Sanierung also lässt noch viele Wünsche offen. Die soziale und kulturelle Aufwertung habe nicht Schritt halten können, man werde Bundesmittel zur Städtebauförderung, auch Geld des Strukturfonds der Europäischen Union einsetzen müssen, sagte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder. Er sprach von einem Umsteuern bei der Förderung: Öffentliches Geld solle für öffentliches Eigentum, privates Geld für privates Eigentum eingesetzt werden. Auch vertraut er auf die weitere Arbeit des Quartiersmanagements, um Teile des Gebietes „sozial zu stabilisieren und aufzuwerten“. Rund um den „Kotti“ wurden rund 5000 Wohnungen neu errichtet, fast ebensoviel mit öffentlicher Förderung modernisiert, und - entsprechend den damaligen Sanierungszielen - rund 6350 Wohnungen abgerissen. Mit öffentlichem Geld modernisierte das Land Berlin 90 000 Quadratmeter Gewerbefläche, mehr als die Hälfte davon in 21 Gewerbehöfen.

Mit Initiativgrupen entstanden beispielsweise ein türkisch-deutsches Nachbarschafts- und Kulturzentrum, ein soziales Dienstleistungszentrum und ein Frauenstadtteilzentrum. Meist gemeinsam mit den Bewohnern wurden 150 Höfe bepflanzt, 14 Kindertagesstätten entstanden, ferner ein Behindertenzentrum, die Heinrich-Zille-Grundschule wurde erweitert. Insgesamt sind in das Gebiet für die städtebauliche „Neuordnung“ und zur Modernisierung von Wohnungen und Gewerberäumen sowie für weitere öffentliche Bauten rund 662 Millionen Euro an staatlichen Geldern geflossen, hinzu kommen rund 925 Millionen Euro für den öffentlich geförderten Wohnungsbau, also fast drei Milliarden Mark. Der Bezirk erließ 1995 eine Erhaltungs- und Milieuschutzverordnung für schützenswerte Bereiche des Sanierungsgebietes, um die Bewohner vor Verdrängung durch höhere Mieten zu bewahren. In allen Sanierungsgebieten wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 30 000 Wohnungen mit öffentlichen Zuschüssen modernisiert.C. v. L.

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