Berlin : Der Tagesspiegel

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Wie geht es wohl Kamuniak, der „Gesegneten“? So haben die Wildhüter des Samburu-Nationalparks in Kenia die aus der Art geschlagene Löwin getauft, die Antilopenbabys lieber adoptierte statt sie zu fressen. Geholfen hat das denen nicht immer, gerade Artgenossen haben wenig Verständnis für Nebenwege der Liebe und beißen trotzdem erbarmungslos zu. Was das mit Berlin zu tun hat, das zwei Zoos, aber keine einzige antilopophile Löwin aufzuweisen hat? Dafür um so mehr gefräßige Lebewesen, die kein Mitleid mit mütterlichem und sonstigem Liebesglück haben. Nehmen wir nur den Grunewald mit seiner amphibischen Population, Jahr für Jahr Ziel emsiger, der Tierliebe verpflichteter Rettungsversuche. Kröte um Kröte wird über die Havelchaussee getragen, eimerweise, doch, wie sich jetzt zeigte, allzu oft in den sicheren Tod. Wildschweine machen sich darüber her, klagten die düpierten Tierfreunde, was wieder einmal beweist, wie grausam die Natur ist. Fressen und gefressen werden, ein ewiger Kreislauf von Sieg und Untergang. Fast wie im Fußball. Der kenianische Nationalpark, die Havelchaussee, die Stadien Japans und Süd-Koreas - sie liegen einander näher als der Blick auf den Globus glauben macht. Samburu? Liegt gleich hinter der Havelchaussee.

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