Berlin : Der Tagesspiegel

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HINTER DEN KULISSEN

Christoph Stölzl konnte ihn anfassen, Adrienne Goehler hatte auch kurz das Vergnügen, dann durfte Thomas Flierl seine Hände auf ihn legen. Und seit ein paar Tagen ist er jetzt bei Claus Peymann untergekommen. Zu Lebzeiten hätte der so Herumgereichte gegrummelt: „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!“ Haben Sie´s erkannt? Ein Zitat von Bertolt Brecht, und in Form und Gestalt einer Büste erlebte er – bisher – folgende Odyssee: Der jetzige CDU–Landeschef Christoph Stölzl begleitete nach dem Tod von August Everding als künstlerischer Berater den Deutschen Pavillon auf der Expo in Hannover und zeichnete auch für den Skulpturenpark verantwortlich. Zum Abschluss seiner Arbeit schenkte ihm das Expo-Team eine Brecht-Büste. Dann wurde Herr Stölzl unter der Großen Koalition Kultursenator. Die Koalition zerbrach, Herr Stölzl musste, wie er selbst sagt, „etwas überstürzt“ seine Räume verlassen – und ließ den Brecht zurück. Stölzls Nachfolgerin Adrienne Goehler von den Grünen trieb keine Enthüllungsgier: Brecht schmorte weiter in seiner Verpackung. Dann kam Rot-Rot und mit der neuen Regierung der PDS-Kultursenator Thomas Flierl. Schlagartig dämmerte es seinem Vor-Vorgänger Stölzl: Da war doch was, das mit „marxistischer Ästhetik“ viel oder wenig zu tun hat. Genau so viel oder wenig wie Herr Flierl damit zu schaffen hat. Also schenkte Herr Stölzl Herrn Flierl Herrn Brecht. „Ohne Hintergedanken“, wie Christoph Stölzl betont. Der wurde wiederum stutzig, als Claus Peymann unlängst seinen 65. Geburtstag beging – und von Herrn Senator Flierl etwas geschenkt bekam, was ihm sehr bekannt vorkam. Na? Natürlich der Brecht. Solange nun der Direktor des Berliner Ensemble nicht den unheilvollen Bann der Kulturbanausen über Herrn Brecht bricht, wird er ihn wohl neben sich dulden. Die Brechtsche Moral von der Geschicht? „In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.“

Die Grünen-Fraktion freut sich schon sehr auf den CSD, den Christopher Street Day. Ganz besonders ihr Geschäftsführer Reiner Felsberg. Der begrüßte auf einer Sitzung des Ältestenrats den Senatsvertreter André Schmitz, Chef der Senatskanzlei, mit den Worten „Guten Tag, Herr CSD.“ Üblicherweise heißt die Abkürzung für den Chef der Senatskanzlei CDS.

Fast jeder Mann versteht sich als der beste Fußballkenner und -könner. Das ist auch bei der FDP-Fraktion so. Die Herren sind zurzeit arg geknickt, weil ausgerechnet in der fraktionsinternen WM-Fußball-Tipp-Wettgemeinschaft eine Frau führt: Daniela Scherler, noch dazu die Referentin für Frauenpolitik. Sie gibt selbst zu, dass sie sich bei ihren Tipps schon stark von Emotionen leiten ließ. Das kann Fraktionsvize Alexander Ritzmann nun gar nicht mehr fassen: Wieso kann man mit Intuition manchmal besser liegen als mit Sachverstand?

Der Staatspräsident von Namibia, Sam Nujoma, war während seines Arbeitsbesuchs zu Gast beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit: Berlin verbindet mit der namibischen Hauptstadt Windhoek eine Städtepartnerschaft. Angeregt unterhielten sich die beiden über die jeweilige Städte-Situation. Berlin plagt die schlechte Haushaltssituation, und Namibia besitzt riesige Bodenschätze in Form von Gold und Diamanten. Wowereit sinnierte darüber, dass man damit leicht die leeren Kassen Berlins füllen könnte. Schnell beeilte sich Herr Nujoma hinzuzufügen, dass man diese Schätze nicht umsonst bekomme. Freundschaft hin oder her.

Just als Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch am Donnerstag im Parlament auf eine Anfrage zur Wirtschaftsentwicklung in Berlin antwortete, klingelte sein Handy. Es war sein Chef, Gregor Gysi, der in Amerika auf Investorensuche war. Ob er gerade fündig geworden war? Sabine Beikler

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