Berlin : Der Tagesspiegel

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Eine Schnapsidee, man kann es nicht anders sagen. Und eine haarsträubende Ungerechtigkeit, von den Kosten mal ganz zu schweigen. All die unbescholtenen Autofahrer, die seit Jahrzehnten unfall- und punktefrei durchs dickste Verkehrsgewühl chauffieren, will man also über einen Kamm scheren mit der unbelehrbaren Minderheit der Raser, Drängler, Säufer, kurz: der notorischen PS-Desperados, denen die Polizei aus gutem Grund die Lizenz zum Lenken entzogen hat. Ob ein Trunkenbold, der lallend hinter dem Lenkrad hervorgezogen wurde, nach einer Zusatzschulung samt -prüfung von der Flasche lassen wird, ist eine interessante Frage, tut hier aber nichts zur Sache. Bedenkenswert ist hingegen, ob die Verkehrsdisziplin durch flächendeckendes Nachsitzen auf der Fahrschulbank verbessert wird. Es scheint wenig wahrscheinlich. Die Verstöße gegen die StVO geschehen doch nicht deshalb, weil der Sünder es nicht besser weiß, sondern weil er sie bewusst in Kauf nimmt. Und eine regelmäßige Reifeprüfung als logische Konsequenz der permanenten Schulpflicht könnte sogar die kuriose Folge haben, dass mancher routinierte Ritter der Landstraße, der sein Fahrschulwissen weitgehend vergessen hat und mehr intuitiv, doch regelkonform über den Asphalt rollt, nun wegen eklatanter Wissenslücken ausgesondert wird. Denn mal ehrlich: Wer kann schon nach jahrzehntelanger Praxis all die lebensfernen Fragen der Führerscheinprüfung noch zufriedenstellend beantworten? Sind wir deshalb allesamt Fahrschüler? Andreas Conrad

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