Berlin : Der Tagesspiegel

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Wenn Real Madrid in der spanischen Liga spielt, sind die Tapas-Bars der spanischen Hauptstadt restlos voll. Meistens kann man den Kommentator kaum noch verstehen, so laut sind die Zurufe der Madrilenos.

Je fortgeschrittener die Spieldauer gegen Irland am Sonntag, desto mehr nähert sich auch die Atmosphäre im „Yosoy“ in der Rosenthaler Straße der der spanischen Tapas-Bars an. Die anfängliche Stille und Anspannung löst sich schon in der achten Spielminute auf. Ein Aufschrei, halb deutsch, halb spanisch, geht durch die urige Tapas-Bar. Unter Beifall sehen die gut 70 Leute, wie Morientes den Ball geschickt ins Tor manövriert. „Magnifico“, ruft José, der bisher jedes spanische WM-Spiel hier verfolgt hat.

Angelockt durch die Schreie, kommen immer mehr Leute, bis die Bar so voll ist wie in Spanien üblich – zur Halbzeit gibt’s nur noch Plätze auf der Straße. 24. Minute: Das zweite Tor für Spanien – welches wegen Abseits für ungültig erklärt wird. Wieder großes Geschrei und enttäuschte Gesichter. „Madre mia!“ Silvia und Beatriz, beide geborene Madrilenas, können’s nicht fassen. Trotzdem sind sie sich sicher: „Spanien kann es schaffen, wenn wir Deutschland schlagen.“

Mittlerweile ist die anfängliche Reserviertheit vollkommen verschwunden. Alle schauen gebannt auf die Leinwand, und da kann es auch schon mal passieren, dass man von der Seite auf Spanisch angequatscht wird. „No comprendo“ – diesen Satz sollte man beherrschen im „Yosoy“.

Zweite Halbzeit. Wüsste man’s nicht besser, könnte man denken, man befindet sich mitten in Spanien. Selbst das Personal kann sich kaum noch abwenden vom Spiel. Und die Bestellungen für Cana, das kleine spanische Bier, nehmen von Minute zu Minute zu.

Dann in der 62. Minute das Unfassbare: Elfmeter für Irland. Ungläubige Blicke. Sollte der Viertelfinaleinzug doch noch gefährdet sein? Doch Casillas hält den Ball. Jetzt kann sich keiner mehr zurückhalten. Deutsch-Spanische Umarmungen – „No comprendo“ kann einem jetzt auch nicht mehr helfen.

„Hombre, que juego“ – was für ein Spiel! José ist begeistert. Doch als Robbie Keane den Foulelfmeter für Irland verwandelt, kehrt plötzlich wieder die Stille ein ins „Yosoy“. Verlängerung, damit hatte hier keiner mehr gerechnet, die Fiesta war doch schon in vollem Gange. Selbst die guten Zurufe scheinen vergebens, die Leidenden im „Yosoy“ werden vorerst nicht erlöst. Es folgt die Entscheidung durch Elfmeterschießen. Enttäuscht von der spanischen Mannschaft, applaudieren einige sogar dem ersten Irland-Tor. „Venga, venga!“ – komm schon. Nach dem zweiten verschossenen Elfmeter Irlands schöpft man wieder Hoffnung in der Rosenthaler Straße. Und das Durchhalten hat sich gelohnt. Minutenlanger Aufschrei und Beifall beherrschen das „Yosoy“, als Gaizka Mendienta den entscheidenden Elfmeter verwandelt. Vivien Leue

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