Berlin : Der Tagesspiegel

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THEKENTANZ

Collins,

Sredzkistraße 28, Prenzlauer Berg, Tel.: 48 49 67 80, geöffnet montags bis samstags ab 16 Uhr, sonntags ab 10 Uhr

In Zeiten wie diesen ist jeder Berliner aufgerufen, sein ganz eigenes Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika abzulegen. Drinking man und compañera geloben also, ihre besondere Aufmerksamkeit den Getränken und Speisen der USA zu widmen und die Produkte der Schurkenstaaten bis auf Weiteres zu boykottieren. Irakische Cocktails und iranische Longdrinks sind ab sofort tabu. Amerika, wir trinken nur für Dich.

Das Collins scheint der passende Ort zu sein. Allerlei american nippes erfreut die Gäste: Anheuser Busch-Neonreklame blinkt, eingefasst in die rot-blinkenden Umrisse der USA, die vier Präsidentenköpfe des Mount Rushmore prangen als Gipsgemälde an der Wand (leider schielt George Washington), Jack Daniel’s und die American Flyer Trains grüßen von Emaille-Schildern. Wer sich zu den Toiletten begibt, wird von einer Fußgängerampel dirigiert: „Walk“ und „Don’t walk“ signalisieren rasches Erleichtern oder peinvolles Innehalten.

Der lange Tresen ist mit geriffelten Metallplatten nach der Art schwerer Ladenjalousien aus den Fifties verkleidet, rot-runde Sitzpolster zieren die Barhocker. Aus den Boxen röhrt Bon Jovi. Die Karte startet mit den Drinks und offeriert dann Californian-Mexican-Food. Die compañera orderte „Chickenfingers“ und sprach nach dem letzten Bissen ungewohnt antiamerikanisch von einer „drögen Angelegenheit“. Der proppenvolle Teller „Nachos Texas“ animierte den drinking man ebenfalls zur raschen Aufnahme diverser Flüssigkeiten.

So mixte der Keeper mit dem markanten Schwarzhaar-Zopf und den millimeterdünnen Bartstrichen einen Hemingway Sour (Gin, Zitrone, Grenadine). Für den gewünschten Tanqueray Gin waren 1,50 Euro extra fällig. Doch wer Amerika liebt, blecht gerne. Es störte auch nicht, dass der saure Hemingway als süßes Gin-Bonbon auftrat. Selbst der Frozen Mango Margarita mit einer Überdosis Tequila und Null-Mango-Geschmack wurde geschluckt. Dem drinking man kam auch nicht in den Sinn, für den lauen Alabama Slammer (Wodka, Southern Comfort, Grenadine, diverse Säfte) mehr Eis zu fordern. Ein echter Transatlantiker trinkt und schweigt.

Die Belohnung folgte prompt: Mit einem deutlichen „lecker!“ benotete die compañera den alkoholfreien Ipanema (Limette, brauner Zucker, Lime Juice, Ginger Ale). Na bitte. Gegen das Collins kommt eine irakische Cocktailbar so schnell nicht an. Frank Jansen

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