Berlin : Der Tagesspiegel

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Am 1. Juli zeigen wir Verbraucher es den Teuro-Terroristen mal so richtig. Wir kaufen nicht mehr ein. „Alle Kassen bleiben still, wenn der Konsument es will.“ Das Brot, die Milch und die Eier werden auch bis zum 2. Juli reichen. Und die CD, die können wir auch am 3. Juli oder sogar am 4. Juli immer noch kaufen. Und genau das ist der Haken an der ganzen Aktion. Wir kaufen ja trotzdem ein, nur (gesetzt den Fall, die Aktion findet überhaupt Nachahmer) ein paar Tage später oder früher. Ein Signal also, das keines ist, weil es in den Bilanzen des Einzelhandels keine Spuren hinterlassen wird, und damit auch keine in der Erinnerung der Händler. Klingeln die Kassen doch davor und danach weiter.

Sicher, es gibt sie, die Händler und Dienstleister, die mit der Einführung des Euro den Konsumenten kräftig in die Tasche gelangt haben - wenn auch lange nicht so viele, wie man nach dem Blick ins Portemonnaie meint. Und genau die muss man bestrafen, aber nur die. Das heißt, deren Produkte und Leistungen sollten eben nicht nur einen Tag lang „bestreikt“ werden, sondern so lange, bis sie wieder zu einem akzeptablen Preis zu bekommen sind – und wenn es Monate dauert. Denn zum Glück gibt es auf dem freien Markt jede Menge Konkurrenz. Und wenn die billiger ist, dann hilft sogar das Gegenteil von Boykott, dann kauft man dort eben öfter ein. Man kann also konsumieren und trotzdem konsumstreiken. Denn ein gezieltes Verweigern wirkt viel mehr, als eine eintägige Sippenhaft für alle Anbieter. Ingo Bach

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