Berlin : Der Tagesspiegel

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Das Haushalts-Entlastungsgesetz ist nicht mehr als ein Drahtseilakt, der am Ende schiefgehen wird. Davon ist die Fachgruppe für Psychiatrische Versorgung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes überzeugt. 60 Träger solcher Betreuungseinrichtungen hatten sich am Donnerstag vor dem Anhalter Bahnhof versammelt, um die Verrenkungen und Kopfstände, die das Land aufgrund der miserablen Haushaltslage versucht, gleich praktisch vorzuführen - auf dem Drahtseil. Laut dem neuen Gesetz soll die ambulante Behandlung psychisch Kranker durch die Bezirke finanziert werden, denen schon jetzt das Geld für das Nötigste fehlt. „Unser seit 1996 gemeinsam mit dem Senat entwickeltes Programm zur ambulanten Behandlung psychisch Kranker steht auf der Kippe“, sagt der Sprecher der Gruppe, Gerd Pauli. 2000 Menschen habe man seitdem in ihre Bezirke entlassen, nachdem sie zuvor jahrelang in Kliniken gesperrt waren. Das Land habe so mindestens 70 Millionen Euro jährlich gespart. Durch die nun unsichere Finanzierung seien viele Träger bedroht, der Betreuungsstandard werde sinken. Werde dem Programm das Geld gestrichen, müssten die psychisch Kranken wieder in die Kliniken. Es sei denn, man wolle warten, bis Erfurt sich wiederhole, so Pauli. „Denn es gibt kein Netz, dass uns auffängt.“ (Mehr auf Seite 10.) akl/Foto: Peter Meißner

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