Berlin : Der Tagesspiegel

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TORTENSCHLACHT

Berliner Teesalon,

Invalidenstraße 160, Tel. 28040660, Öffnungszeiten Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 12-15 Uhrenrestaurant

Die gelbe Fahne mit dem schwarzen Drachen bedeutete immer schon helle Freude. Es war die Fahne der italienischen AGIP-Tankstellen. Man war endlich in Italien. Auch vor einem Schaufenster in der Invalidenstraße weht eine gelbe Drachenfahne. Dahinter beginnt die Welt des Berliner Teesalons. Mit Italien hat sie aber nichts zu tun. Nur drei Tische, zwei Korbsessel, kolonial, und vier alte Holzstühle stehen hier. Man sitzt nicht direkt am Fenster, und wenn man hinausguckt durch die riesige Scheibe, schaut man zugleich durch den ganzen Raum. Man sieht die alten Jugendstilkacheln, die noch aus der Zeit kommen, als dies hier ein Café war, man sieht die hohen, Regale mit Teedosen, silbern und unzählbar. Es duftet nach Holz und Tee. Man sieht den hölzernen Tresen mit den chinesischen Teekannen darauf, und hinter ihm steht der Teemeister mit dunkel gelocktem Haar. Er beschreibt verschiedene Sorten Weißtee, und davon hatte der Besucher noch nie gehört.

Das fand er gar nicht ungewöhnlich, denn die gebundenen, ganzen Blüten sind teuer und selten dazu. Der Weißtee lag dann champagnerfarben in der Tasse, nur perlte er nicht. Sein Duft war der eigentliche Clou. Es handelt sich um Blüten, die mit Fäden gebunden sind, manchmal auch zu Formen und Figuren. „Ich habe schon Blüten gesehen, die sind in einer Hühnerform gebunden. Wenn sie lange genug ziehen, dann löst sich ein Farbkern in ihrem Innern.“ Der Gelockte spricht sanft, hat ein enormes Wissen und will es teilen, während er den zweiten und dritten Aufguss bereitet. Er beschreibt die rauchigen und die lieblichen Tees. Warum sind die japanischen Teekannen anders als die chinesischen? Warum haben die Inder kaum Teekultur? Der Gelockte hat schon sehr viel Tee getrunken.Deike Diening

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