Berlin : Der Tagesspiegel

NAME

HINTER DEN KULISSEN

Zur Finanzmisere fällt dem Parlament nichts Neues mehr ein. Keiner hatte Lust, vor dem drückenden Schuldenberg Wurzeln zu schlagen, und so beeilte man sich am Freitag mit der Verabschiedung des Doppelhaushalts 2002/03. Es traf sich gut, dass Präsident Walter Momper und viele Abgeordnete für den Abend ohnehin noch etwas Wichtiges vorhatten: eine Schüleraufführung im caroussel Theater, mit der es eine eigene Bewandtnis hatte. Die Herrmann-Hesse-Oberschule in Friedrichshain-Kreuzberg hat mit dem Stück „Ghetto“ von Joshua Sobol den diesjährigen Jugendpreis des Abgeordnetenhauses zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar gewonnen. Ehrensache, dass die Politiker die Bühne wechseln mussten.

Auch ganz private Wunden waren am Rande der Haushaltsschlacht zu besichtigen. Der Senator und SPD-Chef Peter Strieder bestätigte, was sich sowieso herumgesprochen hatte. Vor zwei Wochen haben er und seine Frau Monika Buttgereit sich getrennt. „Im Einvernehmen“, wie Strieder sagt. 20 Jahre haben sie miteinander verbracht, die Söhne sind 16 und 18 Jahre alt. Die Hochzeit im Sommer 1996 war aufregend. Damals hatte der Senat in einer dramatischen Haushaltsklausur die Nacht durchgetagt, so dass es der strahlende Strieder gerade noch auf den letzten Drücker zum Standesamt schaffte. Glück und Glas, wie leicht bricht das. Er sagt es rehäugig so: „Mal sehen, wie es weiter geht. Sie sehen, ich trage meinen Trauring noch.“

Das Mittelrhein-Tal ist nun von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden, ein schöner touristischer Image-Gewinn für Rheinland-Pfalz. Und so stand das Sommerfest der Mainzer Landesvertretung am Mittwochabend unter dem Motto „Rhein-Romantik“. Finanzsenator Thilo Sarrazin zog das große Los. Er gewann eine von vier von der Touristikbranche spendierten Reisen. Sarrazin und seine Frau dürfen sich zwei schöne Tage bei der Loreley machen, was sie auch ganz schnell tun wollen. Es ist ein Ausflug die alte Heimat; Sarrazin war früher Finanzstaatssekretär in Rheinland-Pfalz.

Es geht doch nichts über eine schöne große Familienkoalition. Die Oma von SPD-Fraktionschef Michael Müller machts möglich. Sohn Jürgen und Enkel Michael (beide SPD) richteten Margot Schwander (CDU) den 80. Geburtstag aus; klar, dass viele CDU-Leute eingeladen waren. Auch Parteichef Christoph Stölzl und Fraktionschef Frank Steffel erschienen beim Müllerschen Fest, und selbst der frühere CDU-Innensenator Eckart Werthebach kam eigens aus Bonn angereist. Eberhard Diepgen entschuldigte sich telefonisch bei Jürgen Müller wegen seiner Moskau-Reise und schickte der Jubilarin einen längeren Glückwunschbrief.

Länger als 45 Jahre hat er Staatsempfänge vorbereitet. Am Freitag wurde er selbst mit einem Empfang geehrt. Protokollchef Christian Stocks verabschiedete seinen erfahrendsten Mitarbeiter Wolf-Dieter Scholz in den Ruhestand. Kaiser, Könige, Staatspräsidenten hat Scholz im Dienst von „Preußens Gloria“, wie er in seiner Abschiedsrede sagte, betreut. Zehn Regierenden Bürgermeistern und elf Protokollchefs hat er damit gedient. Er war schon beim Besuch von John F. Kennedy 1963 als routinierter Protokollbeamter dabei, und Königin Elizabeth, die mehrfach seit 1965 Berlin besuchte, ist so etwas wie eine gute Bekannte für ihn. Nun ist Scholz 65 und will endlich ganz unbeschwert ins Theater gehen, privat. Brigitte Grunert

0 Kommentare

Neuester Kommentar