Berlin : Der Tagesspiegel

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Zugegeben, durch den Arc de Triomphe darf man nicht fahren, aber dafür hatte Napoleon es auch nicht vorgesehen. Nur siegreiche Heere sollten durch, nicht schnöde Zivilisten, weder mit Pferdekarren noch mit Autos. Durchs Brandenburger Tor hingegen brauste seit jeher der Verkehr, von jahrzehntelanger geschichtsbedingter Schließung abgesehen. Zu der will man also wieder zurück. Ulbricht und Honecker, wo immer sie jetzt weilen, werden sich die Hände reiben, auch wenn wohl nicht mal ihnen die vorgetragenen Gründe für den neuen alten Ost-West-Riegel einleuchten dürften. Denkmalschutz wird geltend gemacht, da muss man sich fragen, wohin all die Sanierungsmittel geflossen sind, wenn gemächlich vorbei rollende Busse und Limousinen den frischen Putz angeblich bald schon bröckeln lassen. Verkehrspolitisch ist das Schließen des Tores ohnehin nicht vernünftig zu begründen, man frage nur die Anlieger der umliegenden Straßenschluchten, durch die sich der Blechwurm, verwehrt man ihm das Tor, dann quälen wird. Und der ist mit weiteren Blümchenrabatten auf dem Pariser Platz nur zu verdrängen, nicht zu besiegen. Eines erreicht man mit dem „Tor Zu!“-Ruf aber garantiert: Die wahre Hauptstadt stellt sich auf eine Stufe mit München, der heimlichen, wo es viele schöne Tore gibt, aber man darf nicht durch. Andreas Conrad

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