Berlin : Der Tagesspiegel

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HINTER DEN KULISSEN

Eberhard Diepgen hielt die kleine Berliner Landesvertretung in der Wilhelmstraße wegen der kurzen Wege zum Bundestag und Bundesrat für nötig. Nun wird das Haus vermietet; der Senat hat kein Geld. Monika Helbig, die Staatssekretärin für Bundes- und Europa-Angelegenheiten, bekommt mit ihren Leuten Räume im Roten Rathaus. Bei der organisatorischen Vorbereitung machte nun Senatskanzleichef André Schmitz eine wunderbare Entdeckung: das Amtszimmer der Oberbürgermeister im 19. Jahrhundert direkt neben den Repräsentationssälen in der Beletage. Da hüpfte sein historisches Herz. Nichts deutet mehr auf die alte Pracht hin, aber Schmitz zieht nun dort ein und überlässt Frau Helbig sein bisheriges Büro.

Wie schnell doch ein Politiker Partymeister werden kann. Klaus Wowereit hatte diesen fragwürdigen Titel. Nun weiß CDU-Fraktionschef Frank Steffel nicht, wie ihm geschieht. Letzten Sonntag bei „Pomp Duck and Circumstances“ zu Gunsten der „Berliner Tafel“, die Essen für Obdachlose sammelt, holte eine leicht bekleidete Varietetänzerin den einzigen Politpromi im Saal auf die Bühne, umgarnte ihn mit ihren bestrapsten Beinen und setzte sich auf seinen Schoß. Steffel soll etwas heiß geworden sein. Ein paar Tage später traf es sich beim Sommerfest des ZDF, dass Wowereit mit Frau Steffel am selben Tisch saß. „Will Ihr Mann mir jetzt den Rang ablaufen?“, schäkerte er. Darauf sie: „Wenn es für einen guten Zweck ist, darf sich auch eine andere Frau auf seinen Schoß setzen, besonders, wenn ich dabei bin.“

Allerlei Spott muss sich der Finanzsenator gefallen lassen. Aber Thilo Sarrazin hat ja Humor. Jürgen Wachsmuth, früher Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, lief dem SPD-Fraktionssprecher Hans-Peter Stadtmüller über den Weg. „Mit Sarrazin habt ihr ja einen guten Griff getan, der verdient direkt einen Oppositionszuschlag“, meinte Wachsmuth ironisch. Es war eine Anspielung auf das Sarrazin-Wort von der „Verfassungswidrigkeit des Haushalts“, und dieselbe will die Opposition vom Landesverfassungsgericht feststellen lassen. Stadtmüller fand den Spott seines alten Freundes Wachsmuth nicht sehr nett. Doch selbst der Computer trieb sein Spiel mit dem n Sarrazin, wie die SPD-Abgeordnete Felicitas Tesch beim Schreiben eines Briefes feststellte. Der Computer signalisierte Zweifel an der Schreibweise dieses Wortes durch rote Unterkringelung. Aus spielerischer Neugier suchte die Bildungspolitikerin nach einem Synonym. Antwort aus dem Programm: „Sturheit.“ Darüber nun lachte sich auch Stadtmüller kringelig.

Trotz des Personalabbaus soll es noch Behörden geben, in denen das Klima gut ist. Parlamentspräsident Walter Momper kann jedenfalls nicht klagen. Am Betriebsausflug der Parlamentsverwaltung beteiligten sich neulich 105 der 140 Bediensteten, eine unerwartet große Zahl. Auch das wertet Momper als Indiz für ein harmonisches Arbeitsklima. Vier Stunden schipperte man fröhlich über die Berliner Gewässer, das Regierungsviertel aus einer anderen, sehr reizvollen Perspektive zu besichtigen, und kehrte in einem Restaurant ein. Vom Präsidium waren auch Martina Michels (PDS) und Axel Hahn (FDP) mit von der Partie. Nur zahlen mussten alle selbst; im Haushalt ist kein Geld.

Ach ja, Berlin ist nun mal arm wie eine Kirchenmaus. Der Senat kann mit den Vertretungen der anderen Bundesländer überhaupt nicht mithalten, die mit Ausstellungen, Lesungen und Empfängen glänzen. Gegen Überschneidungen gibt es einen regelrechten Festkalender. Berlin ist immer mit seinem Rathaus-Hoffest im September dran. Doch diesmal wird es weggespart. Klaus Wowereit muss sowieso das zentrale Fest zum Tag der Einheit am 3. Oktober ausrichten. Es findet immer in dem Land statt, in dem der Bundesratspräsident zu Hause ist. Das Abgeordnetenhaus hat sich für diesen Tag auch etwas vorgenommen. Den Tag der offenen Tür, und zwar zusammen mit dem Bundesrat nebenan. Brigitte Grunert

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