Berlin : Der Tagesspiegel

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Kommen Sie ruhig mal mit dem Klingelbeutel bei mir vorbei, dann werfe ich auch ein paar Euro rein – aber freiwillig. Schicken Sie mir dagegen einen Bescheid mit der Aufforderung, einmalig fünfzig Euro für die Berliner Straßenbäume anzuweisen, dann lege ich Einspruch ein. Denn wo sollte das hinführen? Als nächstes käme dann ein Bescheid über eine Sonderabgabe fürs Stadtschloss, dann wieder einer für Bäder, Kitas, Schulen, Bibliotheken, Straßenbau, naja, Sie können diese Aufzählung im Kopf selbst vollenden, falls sie überhaupt endlich ist. Es genügt schon, dass von jedem Euro, den wir Berliner an Steuern zahlen, ein Viertel für Zinsen verbrennt, mithin einfach futsch ist, ohne dass der Steuerzahler dafür irgendeine Gegenleistung erhält. Was ziemlich frustrierend ist und so auch von der Steuersystematik nicht gedacht war. Nun beim Bürger noch über das Maß dessen, was dieser ohnehin schon zu leisten hat, hinaus die Hand aufzuhalten – das geht zu weit. Jedenfalls, wenn man es zur Pflicht machen will. Wie gesagt, freiwillig gerne. Dann kann auch jeder bestimmen, für was er extra zahlt: Bäume, Kitas, Bäder … Oder aber man ändert das ganze System. Wenn die Steuern niedriger sind und der Staat auf freiwilliges Engagement seiner Bürger zählen kann und muss – wie etwa in Amerika –, so wird es auch kommen. Doch ein Staat wie unserer, der sich erstmal für alle Aspekte der Daseinsvorsorge zuständig fühlt, muss sich dann eben auch kümmern. Fatina Keilani

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