Berlin : Der Tagesspiegel

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THEKENTANZ

EM Bar,

Gabriel-Max-Straße 17, Friedrichshain, Tel. : 29 00 39 29, geöffnet täglich ab 10 Uhr

In Friedrichshain ist es wahrscheinlich leichter, einen Drink zu bekommen als ein Ei. In einigen Straßen blinkt an fast jeder Hausnummer das Neonschild einer Bar. Die meisten sind auch gut besucht. Das junge Boheme-Gewusel hält’s nicht im Ein-Zimmer-Apartment, es drängt auf den Boulevard und in die nächste Schänke. Da sich die Barszene weiter verdichtet, werden mehr und mehr Durstige sogar gleich in ihrem Mietshaus erlöst: Raus aus der Wohnung, Treppenhaus runter, rein ins Parterre-Lokal. Ganz schön praktisch. Da kommt selbst das kneipenverseuchte Kreuzberg nicht mit.

Die EM Bar ist allerdings nicht, wie der vermuten lässt, eine Hochburg der Fußballfraktion der Boheme de Friedrichshain. Das „E“ steht für Ex-Bar, das „M“ für Miró - so hießen die vorherigen Trinkstätten an dieser Stelle, sozusagen die prähistorischen Schichten eins und zwei. Der Name „EM Bar“ lässt also eine geschichtsbewusste Crew vermuten. Das Lokal sieht auch wie eine Retro-Studentenkneipe aus: Abgelaufene Holzdielen, langer Holztresen im angedeuteten Western-Style, orangefarben gewischte Wände, neblig-obskure Figurenbilder. Essensdunst strömt aus der Küche und vermengt sich mit den kräftigen Schallwellen des Posttechno-Sounds aus den Boxen.

Eine sehr junge, aber etwas matte Elfe brachte die fächerartige Karte. Die compañera orderte einen Hurricane, der drinking man griff sich den Django (Southern Comfort, Wodka, Triple Sec, Zitronensaft, Orangensaft). Beide Drinks sahen gleich gelb aus und schmeckten vergleichbar mäßig. Dann wurde der compañera ein supersüßer Banana Bär (Erdbeersirup, Bananensirup, Kokossirup, Erdbeermark, Sahne, Ananassaft) gereicht. Typisch trockener Kurzkommentar: „Pampe“. Der drinking man machte Bekanntschaft mit Zorro (Tequila, weißer Rum, Triple sec, Zitronensaft, Orangensaft, Ananassaft). Aber, ach: Auch Zorro ähnelte optisch Django und Hurricane und blieb trotz des gleichfalls wüsten Namens genauso zahm. Warum nur präsentierte der Mann am Mixer auf seinem schwarzen T-Shirt den knochenharten Spruch „Barkeeper sterben nie“? Vielleicht sollten der echte Django und der wahre Zorro hier mal das Lied vom Tresentod intonieren. Frank Jansen

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