Berlin : Der Tagesspiegel

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HINTER DEN KULISSEN

Das Morgenständchen klang gedämpft. Guten Abend, gut’ Nacht, mit Rosen bedacht. Ein Schulchor aus Peking sang es neben chinesischen Liedern im Roten Rathaus. Bürgermeisterin Karin Schubert empfing die Mädchen und Jungen im Wappensaal, alle schwarz gewandet mit rot-weiß gestreiften Schleifen beziehungsweise Krawatten. Wie auf Bestellung hatte auch sie selbst das Schwarze mit roter Stoffrose an der Brust an. Es soll aber kein müder Empfang, sondern eine sehr muntere Plauderei gewesen sein. Frau Schubert zeigte sich mütterlich gerührt über den Gesang. Früher habe sie dieses Schlaflied abends ihrem Söhnchen vorgesungen, „damit er endlich zur Ruhe kam“. Der ist jetzt Manager in Schanghai, und dadurch kennt sie auch Peking ganz gut. Na also, netter hätte der verhinderte Klaus Wowereit auch nicht mit jungen Chinesen über China parlieren können.

Volker Hassemer erfand vor einigen Jahren als Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft „Partner für Berlin“, die „Schaustelle Berlin“. Erstmals beteiligt sich jetzt auch das Abgeordnetenhaus an diesem sommerlichen Besichtigungsprogramm. Präsident Walter Momper führt selbst durch das geschichtsträchtige Gebäude des einstigen Preußischen Landtages. Dort wurde das preußische Dreiklassenwahlrecht abgeschafft, im Dezember 1918 der Weg in die Weimarer Demokratie beschlossen und Silvester 1918 die KPD gegründet. Dort konstituierte sich der berüchtigte Volksgerichtshof der Nazizeit. Dort saß der erste DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl. Momper erzählte das alles spannend seinem Publikum bei seiner ersten Führung. Und so kam es, dass die Karten für seine nächste Führung über die „Momper-Meile“ im Nu vergriffen waren.

Alte Liebe rostet nicht. Für SPD-Fraktionssprecher Hans-Peter Stadtmüller waren auch die munteren Genesungswünsche von CDU-Kollegen Balsam gegen seine schmerzhafte schwere Rippenprellung. Fußgänger Stadtmüller war von einem rüpeligen Radfahrer auf dem Bürgersteig angefahren und dann auf seinen Protest hin niedergeschlagen worden. „Das war eine Attacke, die mit Sicherheit nicht von der CDU kam“, schrieb ihm der frühere Senatssprecher Michael Andreas Butz humorig und fügte hinzu, er sei schon immer der Meinung gewesen, dass Berlin sicherer werden muss. Auch Dieter Hapel, früher der Frechdachs der CDU-Fraktion, dann Bürgermeister in Schöneberg und jetzt Stadtrat, meldete sich teilnahmsvoll – mit dem Plädoyer für schärfere Kontrollen für Radfahrer. Damit rennt er gewiss nicht nur bei Stadtmüller offene Türen ein.

Stadtmüllers CDU-Kollegen Michael Thiedemann kam nämlich eine unbedachte Radlerin in die Quere. Spät abends im Dunkeln schwang er sich auf dem Vorplatz des Abgeordnetenhauses auf den Sattel, „da schoss diese Frau verkehrswidrig über den Bürgersteig“. Es gab eine Kollision, beide fielen vom Rad, verletzten sich aber nicht. Die Dame wurde auch nicht handgreiflich, sondern entschuldigte sich, und der Herr tadelte sie milde: „Auch hier gilt rechts vor links, nehmen Sie es nicht politisch.“

Phantasie muss man haben. So dachten sich die Stallwächter der FDP in der Sommerstille Budenzauber zum 30. Geburtstag ihres Fraktionsassistenten Nils Klagge aus. Nach altem norddeutschen Brauch muss, wer 30 wird und noch Junggeselle ist, vor dem Rathaus fegen, bis ihn eine Jungfrau freiküsst. Die Liberalen zogen aber nicht vors Rote Rathaus, sondern blieben mit ihrem Spaß unter sich in der Fraktionsgeschäftsstelle im vierten Stock des Preußischen Landtages. Büroleiterin Jana Sandmann streute tüchtig „Konfetti“ aus dem Papierlocher auf den Korridor. Das Geburtstagskind blieb am Ende ungeküsst und musste alles blitzsauber fegen. Brigitte Grunert

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