Berlin : Der Tagesspiegel

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Der Patient kommt zum Arzt – und nicht umgekehrt. In diesem Moment übernimmt der Arzt eine große Verantwortung. Der Patient muss erwarten, dass sein Arzt ihn respektiert, achtet und ihm glaubt. Nehmen wir ein Beispiel: Eine Übelkeit kann eine harmlose Magenverstimmung, Zeichen einer Herzerkrankung, eines Bauchspeicheldrüsenkrebses oder „vorgetäuscht" sein. Eine sinnvolle Stufendiagnostik bedeutet aber auch etwas Zeit, Zeit die auch Arbeitsunfähigkeit bedeuten kann. Der Arzt haftet für die Gewissenhaftigkeit immer zuerst in Bezug auf die Sicherheit des Patienten. Der Arzt muss mit äußerster Vorsicht handeln. Einsamkeit, Existenzängste, Alkoholismus etc. in besonderer Verdichtung führen in unserer Stadt eben nicht zu der „Bundesdurchschnittsquote“, sondern zu dieser sicher bedauernswerten Situation.

Ein Arzt lebt nicht vom „Krankschreiben“, sondern vom Vertrauen, und dieses ist zugleich wichtige Voraussetzung zur erfolgreichen Behandlung von Krankheiten.

Wenn Krankenkassen glauben, dass ihre Mitglieder unter Vortäuschung von Beschwerden zum Arzt gehen, mögen sie interne Regelungen entwickeln. Wir sollten aber nicht aufgrund manchen Einzelfalles Unterstellungen und Misstrauen zum Maßstab machen und so unserem Gesundheitswesen Schaden zufügen. Betroffen ist am Ende immer der Patient, d.h. irgendwann jeder von uns. Frank H. Fechteler

Der Autor ist Facharzt für Allgemeinmedizin

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