Berlin : Der Tagesspiegel

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Krankenkassen müssen sich zweifellos mehr einmischen, denn sie sind gesetzlicher Treuhänder der Beitragsgelder. Noch klarer wird diese Notwendigkeit zur Einmischung erkennbar, wenn sich Spitzenfunktionäre der Ärzteschaft nicht scheuen, öffentlich zuzugeben, dass wegen der Ärztedichte und der damit bestehenden Konkurrenz unter Ärzten in Berlin großzügig krankgeschrieben wird.

Die ärztliche Selbstkontrolle funktioniert nicht, oder sie hört vermutlich dann auf, wenn der eigene Geldbeutel bedroht ist. Das ist kein objektives medizinisches Auswahlkriterium für die Beurteilung von Arbeitsunfähigkeit. Das alles war und ist dem Gesetzgeber klar, so dass er über das Sozialgesetzbuch die Krankenkassen verpflichtet hat einzugreifen, wenn z. B. Versicherte auffällig häufig oder auffällig häufig für nur kurze Zeit arbeitsunfähig geschrieben werden. Die BKK Berlin hat festgestellt, dass es Vertragsärzte gibt, die gerade solche Krankschreibungen besonders häufig ausstellen.

Da die KV sich offenbar nicht darum kümmert, sind die Kassen in der Pflicht, dem Sozialmissbrauch entgegenzutreten. Dazu dürfen sie sich verschiedener Mittel bedienen – von Hausbesuchen bis zu Vorladungen zum Medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Das dient den Versicherten, die objektiv arbeitsunfähig sind. Ärzte, die sich vertragsgerecht verhalten, müssen auf unserer Seite sein, denn die Kassen unterstützen sie bei ihrer Arbeit. Jochen Schulz

Der Autor ist Vorstandsmitglied der Betriebskrankenkasse (BKK)

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