Berlin : Der Tagesspiegel

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Von Tanja Buntrock

T-Shirts mit Beatles-Aufdruck findet er albern. Würde er sich nie anziehen, schon gar nicht hier, beim „Estrel Beatles Festival Berlin“ in Neukölln. Ingo Loew, 34 Jahre alt und Schlosser aus Marzahn, braucht nicht zur Schau zu stellen, dass er ein echter Fan ist. Seine Beatles-Plattensammlung – 400 Mal Vinyl, 60 CD’S - sprechen für sich. Hinzu kommen die Original-Unterschriften der vier Pilzköpfe, die bei ihm zu Hause im Flur hinter Glas hängen, allerlei Fotos und die vielen Erinnerungen. Nach 23 Jahren Sammlerei hat sich so einiges angefunden.

Das erste Beatles-Festival im Estrel-Hotel, das am Freitagnachmittag begonnen hat und noch bis Sonntagabend läuft, lässt sich Loew nicht entgehen. Viele Fan-Treffen und Auktionen hat er schon besucht, doch diesmal werden die handgeschriebenen Lebensläufe von John Lennon, Paul McCartney und George Harrison ausgestellt sowie die von Tony Sheridan und Pete Best, die zu Beginn noch dabei waren. Sie sind erst kürzlich im Nachlass des Komponisten Bert Kaempfert entdeckt worden. „Fantastisch, sieht richtig gut aus“, sagt Loew und findet es lustig, wie John Lennon mit krakeliger Handschrift geschrieben hat, er habe schon in der Band „The Quarrymen“ gespielt.

Die vielen Händler mit ihren Fanartikeln, Fotobänden und Büchern lässt Loew links liegen. Die kitschige Kollektion eines Beatles-Devotionalien-Sammlers findet er ziemlich kurios: Tabletts aus den sechziger Jahren mit Pilzköpfe-Aufdruck, Plastikfiguren der Fab Four, bedruckte Leinenschuhe - hier findet man alles. Neugierig wird Loew so richtig, als er die Ecke mit den „Höfner“-Bässen entdeckt. Mit solchen Bässen spielt Paul McCartney noch heute. „Ich habe zu Hause auch so einen in der Vitrine, spiele aber selbst nicht“, sagt Loew.

Die polnische Beatles-Cover-Band „The Postman“, die gerade „Please, please me“ auf der Bühne im Festival-Center zum Besten gibt, findet er okay. Aber so richtig vom Hocker können ihn die Imitatoren nicht reißen. Da hört er sich lieber die Original-Platten an.

Seine Leidenschaft für die Pilzköpfe hatte 1979 begonnen. Loew, damals gerade elf Jahre alt, hatte die Plattensammlung seines Bruders durchstöbert und war beim blauen Album 1967-70 hängen geblieben. „Ich war sofort fasziniert. An weitere Platten der Beatles zu kommen, war in der DDR leider sehr schwierig.“ Ein Jahr später, 1980, wurde John Lennon erschossen. Loew sog jede Information, die er in der sozialistischen Heimat bekommen konnte, auf. Erst neun Jahre später, nach dem Fall der Mauer, konnte er richtig anfangen zu sammeln. Schätzungsweise 17 000 Euro hat er bislang in Platten und CD’s seiner Lieblingsband investiert.

Besonders stolz ist er darauf, dass er Paul McCartney schon leibhaftig getroffen hat. Loew ist mit seiner Freundin nach England gefahren, hat sich zwei Stunden lang im strömenden Regen vor McCartneys Studio gestellt und gewartet. Dann kam Sir Paul vorbeigerauscht, auf dem Weg zu seinem Mercedes. „Hello, how are you?“, habe Paul gesagt und sich entschuldigt, dass er keine Zeit habe. Schnell noch ein Foto, das war’s - immerhin. Als Erinnerung daran haben Loew und seine Freundin ihren Sohn, der wenig später zur Welt kam, Paul genannt. Was aber, versichert Loew, nicht heißen solle, dass künftiger Nachwuchs die Vorn der Fab Four tragen wird. Das wäre ja albern.

Das Beatles-Festival im Estrel Hotel, Sonnenallee 225 in Neukölln, läuft noch bis Sonntagabend. Eintritt: Ab 12 Euro. Weitere Informationen unter der Telefonnr. 6831 22232.

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