Berlin : Der Tagesspiegel

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HINTER DEN KULISSEN

Klaus Wowereit kennt sich im oberpfälzischen Tirschenreuth aus, wo der neue SPD-Bundestagsfraktionschef Ludwig Stiegler die Hausmacht hat. Wowereit und Stiegler sind alte Bekannte. Die Beziehungspflege hat damit zu tun, dass Tempelhof und Tirschenreuth eine Partnerschaft haben. Wowereit war elf Jahre Volksbildungsstadtrat in Tempelhof. Nun freut sich der Regierende sehr über den Aufstieg des Bayern. Gute Drähte sollen sich ja in der Politik auszahlen.

Und das freut die Feministin Sibyll Klotz. Die Historikerin Karin Hansen, Professorin am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU, wurde mit dem großen Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Die Grünen-Fraktionschefin gratulierte zur „Anerkennung der geleisteten Arbeit und der feministischen Frauenforschung“. In Anspielung auf den Titel der Ordensklasse zitierte sie Ex-Kultursenatorin Adrienne Goehler (Grüne): „Frauen, bildet Banden.“ Die „liebe Karin Hansen“ mailte Sibyll Klotz ihren Dank: „Ja, wenn ein einzelnes Band der Anlass ist, an die wünschenswerten, da notwendigen Banden zu erinnern, dann mag eine derartige Dekoration vielleicht ja doch ihren Sinn haben.“

Auch SPD-Fraktionschef Michael Müller traf einen guten Bekannten. Zum Müller-Besuch im Kompetenzzentrum Wasser in Wilmersdorf fand sich Helmut Lölhöffel ein. Der war Senatssprecher bei Rot-Grün und spricht ab 1. August für das Wasser-Unternehmen Vivendi, das an diesem Zentrum maßgeblich beteiligt ist. Lölhöffel informierte sich nicht nur selbst, sondern machte sich auch nützlich. Damit Müllers Fraktionskollegin Petra Hildebrandt nichts entging, nahm er ihr den Sohn ab. Und schaukelte den dreijährigen Quälgeist in den Schlaf.

In der Sommerstille der Parlamentsferien können die Mitarbeiter des Abgeordnetenhauses auch mal früher gehen. Bei Parlamentsvizepräsident Christoph Stölzl meldet sich nachmittags öfter der automatische Anrufbeantworter: „Herr Professor Stölzl ist bis zum 5. August in Urlaub. Ich bitte Sie, sich in dringenden Fällen an den CDU-Landesverband zu wenden.“ Na gut, Stölzl ist CDU-Chef. Bei der SPD wird die ungewöhntliche Ansage aber mit Spottgelächter quittiert. Sagt die Union nicht Präsident Walter Momper (SPD) nach, er missbrauche sein Amt parteipolitisch? Also Retourkutsche: „Das sollte Momper mal wagen, Anrufer an die Partei zu verweisen.“

Ganz von selbst ergibt sich die kleine Koalition in der Opposition. Die FDP-Fraktion hat ein Besprechungszimmer eingerichtet. Freitag früh wurde der Teppichboden geliefert, der Mann von der Firma erklärte fröhlich: „Der Steffel ist mein Chef.“ Die Liberalen wussten nicht, dass sie bei der Firma des CDU-Fraktionschefs Frank Steffel eingekauft hatten, das geht aus dem n des Unternehmens nicht hervor. Nun fiel ihnen ein Vermerk auf dem Lieferschein auf: „Liefertermin mit D. Steffel absprechen.“ Mit D. war Bruder Dirk gemeint. Brigitte Grunert

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