Berlin : Der Tagesspiegel

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Warum soll sich jemand Schuldgefühle einreden lassen, der ein gutes Gewissen hat? Das kann uns keiner erklären. Und deshalb ist auch nicht einzusehen, warum die Anleger von Publikumsfonds bei der Bankgesellschaft ganz oder teilweise auf ihre garantierten Erträge verzichten sollen. Die Sparer, die zu Tausenden ihr Geld in Immobilienfonds angelegt haben, taten es im Vertrauen in die Seriosität. Sie freuten sich über ungewöhnlich günstige Bedingungen. Na und? So weit kommts noch, dass sie sich darüber Gedanken machen, ob ihre Bank den eigenen Profit auskömmlich kalkuliert hat.

Dass sich diese Fonds als Teil der Misere der Bankgesellschaft entpuppt haben, ist doch wohl nicht die Schuld der Kunden, die etwas für ihre Altersvorsorge tun. Jetzt wollen ihnen moralische Aktivisten eine Mitschuld am sittenwidrigen Gebaren von Bankern suggerieren. Das Land muss als Mehrheitseigner für den Schaden aufkommen; das Parlament stimmte nolens volens zu. Da kamen einige auf die Idee, sich an den Sparern schadlos zu halten. Aber niemand kann zur Änderung seiner Vertragsbedingungen gezwungen werden. Daher die groteske politisch-moralische Seelenmassage.

Anfangs regte sich alles nur über die Prominenten-Fonds für Erlauchte auf. Nun werden auch die Publikumsfonds, die jedermann als todsicher angepriesen wurden, damit in einen Topf geworfen. Gewiss, die paar Dutzend Promi-Fonds machen den Kohl nicht fett; die Masse machts. Aber so gehts nicht, dass die Kleinen freiwillig für den Größenwahn von Bankmanagern aufkommen sollen.Brigitte Grunert

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