Berlin : Der Tagesspiegel

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Immobilienfonds „zu nicht marktüblichen Konditionen" – die gibt es nicht nur bei der Berliner Bankgesellschaft. Meist allerdings endet das Supergeschäft im Aus. Die finanziellen Wundertäter sind über alle Berge, die Briefkästen ihrer Firmen abgeschraubt und die Anleger schauen in die Röhre. Jahr für Jahr finden sich neue Gläubige, die den Traum vom schnellen Geld und Superrenditen für wahr halten. Und Jahr für Jahr enden zehntausende solcher finanziellen Abenteuer im Ruin und vor Gericht.

Nur nicht bei der Bankgesellschaft. Hier wurde jeder Anleger gegen Verluste mit Vollkasko versichert. Hier garantiert der Steuerzahler für ein Vierteljahrhundert alle Blütenträume. Der Senat rettete die Bank mit Milliarden aus dem Steuersäckel. Nur deshalb fließen die ungewöhnlichen Profite noch. Auch will niemand den Anlegern alle Gewinne streitig machen, viele sind beim Kauf arglos dem Rat ihrer Sparkasse gefolgt. Doch Ausmaß und Risiko des Profits gehören reduziert auf das Marktübliche – eine Selbstverständlichkeit in einer Stadt, die selbst den Sandaustausch auf ihren Spielplätzen nicht mehr bezahlen kann. Eigentum verpflichtet, heißt es im Grundgesetz. Privateigentum ist kein Naturrecht. Es endet, wo der Schaden für die Allgemeinheit überhand nimmt. Die Zustimmung der 70 000 Fonds-Zeichner zu einer Minderung ihrer Renditen wird die komplexe Misere der Stadt nicht lösen. Aber sie könnte ein Zeichen setzen: Dass Leute freiwillig zurückgeben, was ihnen Gewissenlose auf Kosten der Allgemeinheit zugeschustert haben. Martin Gehlen

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