Berlin : Der Tagesspiegel

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THEKENTANZ

Offen Bar,

Hauptstraße 80b, Friedenau, Tel.: 851 64 61, geöffnet täglich ab 19 Uhr

Manche n scheinen im Schänkenbusiness unvermeidlich: Wunderbar, Scheinbar, Darstellbar und ähnliches. Solcher Wortwitz ist meist ein Indiz für kumpelkuscheliges Kiezflair. Die höheren Weihen des elegant drinking sind da weniger wichtig. So erweckt auch der Titel „Offen Bar“ nicht unbedingt den Eindruck, hier solle der sophisticated style eines Green Door oder Reingold übertroffen werden. Dennoch empfanden drinking man und compañera eine gewisse Neugier. Schließlich ist Friedenau eher ein schwarzes Loch im Koordinatensystem der Berliner Cocktailkultur. Oder tut sich da was?

Die Offen Bar überrascht zunächst mit einer undurchschaubaren Auf- und Abschließpolitik. Während drinking man und compañera mühelos eindringen konnten, standen einige Gäste vor einer verriegelten Tür, direkt unter einer tiefroten Markise und dem rundroten Neonlogo „Offen Bar“. Wutausbrüche waren jedoch nicht zu beobachten, zwanzig Minuten später schloss die emsige Keeperella das Portal auch wieder auf. Vielleicht gibt es in Friedenau geheime Bar-Rituale, die ein City-Mensch nicht kennt.

Das Interieur kündet vom Willen, eine american bar aufzuhübschen. Am geraden Tresen sind hölzerne Barhocker aufgereiht, die lange, sehr rote Kunstlederwandbank stößt an einen offenen, goldenen Kamin, in dem kleine Windlichter brennen. Auch Decke und Säule glänzen gülden. In den runden, blechernen Tischplatten können sich die Gäste matt spiegeln. Auf die Wände wurden Logos bekannter Spirituosen gepinselt: Gordon’s, Jameson, Four Roses, Wild Turkey, Sol Imported Beer. Dazu passt der unablässige No-Angels-Dudelsound.

Die Keeperella brachte die wahrscheinlich kleinste Getränkekarte der Stadt. Auf zwölf mal zwölf Zentimetern wird eine passable Auswahl präsentiert (leider kein Mojito). Die compañera nahm einen Flying Kangaroo, der arg viel Kokosaroma mit sich schleppte. Mit dem G-Shock (Gin, Grenadine, Lime Juice, Zitrone, Grapefruitsaft, Orangensaft) erhielt der drinking man auch ein größeres Wassermelone-Dreieck, das vom Glasrand emporragte. Der dicksüße Drink schockte wenig, vielleicht steht das „G“ auch nur für „Gewicht“. Die zweite Runde gefiel dann besser: Den Virgin Daiquiri (Erdbeeren, Zitrone, Kirschnektar) lobte die compañera als „leckere Erdbeerpampe“, die obendrein auch ein Brocken Wassermelone zierte. Derweil freundete sich der drinking man mit einem Southern Highball (Southern Comfort, Ginger Ale, Dash Zitrone) an. Groß und wuchtig und natürlich ornamentiert mit – einem Stück Wassermelone.

Die Offen Bar war übrigens schnell voll, trotz der seltsamen Türöffnungsspielchen. Denkbar wäre, dass sich die Betreiber scheinbar nur wunderbar – nein, lassen wir das. Wortwitz sucks. Frank Jansen

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