Der Theaterregisseur : Verunsichert verzogen und zurückgekehrt

Foto: promo
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Es war so ein Gefühl der Zugehörigkeit, das Matthias Spaniel in seine alte Heimatstadt Dresden zurückgetrieben hat. „Dort gibt es ein intaktes soziales Netz. Viele alte Freunde sind nach dem Studium auch zurückgekommen.“ In Stuttgart, wo er zuletzt lebte, und Zürich, wo er als Dramaturg an der Kunsthochschule arbeitete, hätte er sich nicht vorstellen können, „mit dem Kinderwagen durch die Stadt zu laufen“. Nun verdient er ein Drittel weniger, sieht aber überall Menschen, deren Geschichten er kennt und dramatisieren könnte.

Matthias Spaniel wurde 1980 geboren, erlebte den normalen DDR-Kindheits-Alltag mit Schlangestehen und Pionierlager. Als die Wende hereinbrach, vergaß er als einer der letzten seiner Klasse, das Jungpionierhemd auszuziehen. Beeindruckend für ihn war, dass Honecker nicht mehr von der Wand lächelte, aber ein weißer Fleck stets an ihn erinnerte.

Der Vater wurde arbeitslos, und Sohn Matthias machte die prägende Erfahrung der „Verunsicherung“. Seitdem denkt er bei Projekten und Experimenten, die sich anbieten, auch immer die „existenzielle Ebene“ mit, anders als materiell abgesicherte Kollegen aus dem Westen. Diese Selbstbeschränkung habe aber auch ihr Gutes, in Form von „Bodenhaftung“.

Dennoch gab es „eine Phase intelektueller Arroganz“ – Spaniel sagt es mit einem selbstironischen Lächeln. Nach dem Abitur wollte er unbedingt raus aus Dresden, die Welt erobern. Die Mitgliedschaft bei „Dynamo“, dem Fußballklub, schien ihm nicht mehr angemessen. Sechs Jahre später kehrte er reumütig zu seinem Verein zurück.

Studium in Hamburg, Hildesheim und London, Literatur und Theater, Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, freie Theaterprojekte, Einladungen zu Festivals, Schauspieldramaturg am Theater Rudolstadt, schließlich die Anstellung in der Schweiz. Ist gut gelaufen bis jetzt, das Leben nach der DDR. Ältere Familienmitglieder hätten die Wende „nicht so gut verkraftet“. loy

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